Groupe de champs
"Hoffentlich kann ich mein Versprechen halten"

Der Weg ist zu Ende. Ab hier kommen nur noch Felder und irgendwann der Fluss Amudarja. Gespeist aus den Gletschern des Pamir versorgt er über tausende Kilometer eigentlich karge Landstriche mit Wasser. Hinter dem Fluss kommt Afghanistan. Ein einsames Schild warnt vor Landminen.

Der Weg ist zu Ende. Ab hier kommen nur noch Felder und irgendwann der Fluss Amudarja. Gespeist aus den Gletschern des Pamir versorgt er über tausende Kilometer eigentlich karge Landstriche mit Wasser. Hinter dem Fluss kommt Afghanistan. Ein einsames Schild warnt vor Landminen. Wir sind seit dem Vortag unterwegs im Süden des Landes, besuchen unsere Patienten, deren Ärzte und Krankenschwestern, und bringen die monatlich Ration Medikamente. Die beiden Schwestern, die wir heute besuchen, sind seit etwa einem halben Jahr in Behandlung. Sie sind inzwischen volljährig, zu Beginn der Therapie war eine von beiden noch keine 18 Jahre alt. Wir behandeln beide, da wir immer die ganze Familie behandeln, falls die Angehörigen sonst keine Therapie bekämen. Die ersten paar Monate haben sie in Machiton, einem Krankenhaus in der Nähe von Duschanbe verbracht. Weit weg von ihrer Familie. Besonders die Ältere von beiden hat mir bei jedem Besuch mit sehr deutlichen Worten gesagt, wie wenig sie davon hält, im Krankenhaus zu sein. Verstehen kann ich sie gut. Das Haus der Familie ist idyllisch an einem kleinen Fluss gelegen und der Garten voller Obst und Gemüse.

Idylle im Süden des Landes an der Grenze zu Afghanistan. Copyright Foto: Christoph Höhn

Idylle im Süden des Landes an der Grenze zu Afghanistan. Copyright Foto: Christoph Höhn

Seit fast zwei Monaten sind die Schwestern zurück. Es geht ihnen deutlich besser. Sie scheinen sich sogar fast ein bisschen zu freuen, mich zu sehen.

Bereits seit einem halben Jahr sind die beiden Schwestern wegen ihrer multiresistenten Tuberkulose in Behandhlung. Copyright Foto: Christoph Höhn

Bereits seit einem halben Jahr sind die beiden Schwestern wegen ihrer multiresistenten Tuberkulose in Behandhlung. Copyright Foto: Christoph Höhn

Beide leiden etwas unter den Nebenwirkungen der Medikamente. Vor allem Übelkeit und Erbrechen sind immer wieder ein Problem. Im letzten Monat hat eine von beiden an drei Tagen die Tabletten nicht eingenommen - eigentlich sollten die Nebenwirkungen nach so vielen Monaten gar kein Problem mehr sein. Während ich mit der lokalen Krankenschwester über die verschiedenen Medikamente gegen Nebenwirkungen spreche, übt Terry, unsere Psychologin im Team, mit beiden Schwestern Entspannungstechniken.

Tägliche Injektionen gehörten bislang zur Behandlung - jetzt besteht die Hoffnung, dass sie abgesetzt werden können. Copyright Foto: Christoph Höhn

Tägliche Injektionen gehörten bislang zur Behandlung - jetzt besteht die Hoffnung, dass sie abgesetzt werden können. Copyright Foto: Christoph Höhn

Als ich den beiden erzähle, dass wir ihre täglichen Injektionen wahrscheinlich bald beenden können, blicke ich in strahlende Gesichter. Gulru, unsere tadschikische Krankenschwester im Team, nimmt beiden noch Blut ab und dann müssen wir uns auch schon auf den Heimweg machen. Hoffentlich kann ich mein Versprechen halten, die beiden wieder zu besuchen. Mein Einsatz ist in drei Monaten zu Ende. Bis dahin werden wir sie planmäßig noch zwei Mal besuchen. Und wenn der Winter kommt, wird es möglicherweise sehr schwierig, das Dorf zu erreichen. Dann müssen die beiden vielleicht wieder für ein paar Monate nach Machiton ins Krankenhaus. Aber diese Nachricht darf dann gerne mein Nachfolger überbringen.