Groupe de champs
Eine Tablette, die 34 Euro kostet

Am Vortag hat es ein wenig geschneit, die Berge und Hügel sind noch mit einer feinen weißen Schicht bedeckt, und wir sind auf dem Weg zu Matluba (Name geändert). Zuletzt waren wir vor etwa sechs Wochen bei ihr zu Hause. Es ging ihr da schon merklich besser als zu Beginn der Therapie im Oktober.

Am Vortag hat es ein wenig geschneit, die Berge und Hügel sind noch mit einer feinen weißen Schicht bedeckt, und wir sind auf dem Weg zu Matluba (Name geändert). Zuletzt waren wir vor etwa sechs Wochen bei ihr zu Hause. Es ging ihr da schon merklich besser als zu Beginn der Therapie im Oktober. Damals war sie viel zu schwach, um auch nur im Bett zu sitzen, ihr Gesicht war eingefallen und am ganzen Körper kein Gramm Fett. Wir hatten ein vorläufiges Testergebnis, und haben daraufhin mit unserer Standard-Behandlung für multiresistente Tuberkulose begonnen. Wirklich besser ging es ihr damit jedoch nicht. Im Dezember erfuhren wir den Grund dafür: Ihre Tuberkulose ist nicht nur multiresistent, sondern leider extensivresistent.

Auf dem Weg zu Matluba nach Yovon, Copyright: Christoph Höhn

Auf dem Weg zu Matluba nach Yovon, Copyright: Christoph Höhn

Aufbruch war eine Stunde vor dem regulären Arbeitsbeginn, sonst würden wir nicht rechtzeitig zum Mittagessen wieder zurück sein können. Matluba wohnt etwa eineinhalb Stunden südöstlich von Duschanbe. Ich mag die Fahrt. Die Straßenverhältnisse sind verhältnismäßig gut, die Landschaft ist herrlich anzusehen. Außerdem haben wir heute ausgesprochen erfreuliche Nachrichten im Gepäck. Ein neues Medikament, auf das wir schon seit einigen Wochen warten, ist endlich angekommen. Matlubas Tuberkulose ist extensivresistent. Zwei der wirksamsten Medikamente, die wir sonst für unsere Patienten haben, wirken bei ihr nicht mehr oder nur bedingt. Seit Anfang des Jahres nimmt sie daher noch mehr Tabletten ein. Aber ohne Linezolid, das neue Medikament, sind ihre Chancen auf Heilung auch mit der erweiterten Therapie nur sehr gering. Entsprechend groß ist meine Überraschung, als ich schließlich vor ihr stehe. Ich erkenne sie kaum wieder. Von der Tuberkulose ist ihr nichts mehr anzusehen. So erfreulich es ist, dass sie so gut auf die Therapie anspricht, am weiteren Vorgehen ändert sich dadurch nichts.

Matluba ist die zweite Patientin in Tadschikistan, die Linezolid erhält

Matlubas Begeisterung hält sich verständlicherweise in Grenzen, als ich ihr eine weitere Tablette präsentiere, die sie jetzt täglich einnehmen muss. Auch die Liste der möglichen Nebenwirkungen ist lang und reicht über die üblichen Probleme weit hinaus. Außerdem muss ihr Blutbild zu Beginn der neuen Therapie wöchentlich getestet werden, und der Weg zum Labor ist weit. Matlubas Eltern freuen sich, dass es ihrer Tochter so viel besser geht. Allerdings ist der Weg zur Heilung noch sehr lang, die Therapie wird wahrscheinlich zwei weitere Jahre dauern. Mit etwas Glück läuft alles weiter so gut, und sie bleibt von schweren Nebenwirkungen verschont. In einem Monat schaue ich wieder vorbei.

Matluba mit ihrer kleinen Schwester, Copyright: Christoph Höhn

Matluba mit ihrer kleinen Schwester, Copyright: Christoph Höhn

Matluba ist unsere zweite Patientin in Tadschikistan, bei der wir die Behandlung mit Linezolid ergänzen. Sie ist die zweite Tuberkulose-Patienten in Tadschikistan, die überhaupt diese Therapie erhält. Eine Tablette kostet 34 Euro, 24 Tabletten nimmt sie pro Monat ein.