Groupe de champs
Jetzt bin ich hier

Wenn man seinem Umfeld von dem Plan erzählt, sich bei Ärzte ohne Grenzen zu bewerben wird man unweigerlich mit der Frage nach dem Wunschland konfrontiert. Darauf mit 'ist mir egal' zu antworten fand ich ebenso einfallslos wie 'Afrika'.

Wenn man seinem Umfeld von dem Plan erzählt, sich bei Ärzte ohne Grenzen zu bewerben wird man unweigerlich mit der Frage nach dem Wunschland konfrontiert. Darauf mit 'ist mir egal' zu antworten fand ich ebenso einfallslos wie 'Afrika'. Nun war mir das Thema "Tuberkulose in Zentralasien" im Rahmen meiner Vorbereitung auf die Bewerbung bei Ärzte ohne Grenzen des öfteren begegnet. Irgendwann wurde es dann zu meiner Standardantwort. Jetzt weiß ich, dass man mit dem Wünschen besser vorsichtig sein sollte. Ich bin der guten Fee nicht böse. Es war einfach nur ein ziemlich verrücktes Gefühl, genau das Projekt vorgeschlagen zu bekommen, von dem man vorher immer sprach.

Jetzt bin ich hier. Mein Wunsch wurde mir erfüllt. Ich war zwei Monate lang zum Lernen im viel viel größeren Projekt im Nachbarland Usbekistan. Nun also Tadschikistan. Das ärmste der zentralasiatischen Länder. Der Bürgerkrieg liegt 15 Jahre zurück. Unser Büro ist in der Hauptstadt. Hier gibt es die einzige Tuberkulose-Kinderklinik im Land. Mein Einsatzort für die nächsten 10 Monate.

Den meisten Kinder in der Klinik geht es relativ gut. Viele der schwer kranken Kinder schaffen es dagegen wohl einfach nicht bis nach Duschanbe. Die Reise kostet Geld. Und wer kümmert sich um den Rest der Familie während die Mutter mit im Krankenhaus ist und der Vater in Russland, um Geld zu verdienen? Warum die eigentlich gesunden so lange im Krankenhaus sind ist oft nicht klar. Medizinisch gibt es keinen Grund. Die Ansteckungsgefahr geht nach wenigen Tagen Behandlung deutlich zurück. Eine ambulante Behandlung wäre ohne Probleme möglich. Besonders an unserem Programm ist daher, dass die Kinder dort - so weit möglich - ambulant behandelt werden. So können sie bei ihren Familien bleiben und ihr gewohntes Leben weiterführen.

Vieles wird im Land wird so gemacht, weil man es schon immer so gemacht hat. So gibt es hier z.B. Ärzte, die die Meinung vertreten, eine resistente Form der Tuberkulose bei Kindern könne garnicht behandelt werden, weil es so schwierig ist, sie zu diagnostizieren und zu beweisen. An diese Mentalität werde ich mich gewöhnen müssen. Aber es macht natürlich auch einen Teil der Herausforderung aus. Und wenn alles hier so funktionieren würde wie zu Hause, dann müsste Ärzte ohne Grenzen hier auch nicht sein.

Tadschikistan Gebirge © Christoph Höhn

Tadschikistan Gebirge © Christoph Höhn