Groupe de champs
Im Land der Tsetse-Fliegen: Termitenplage und Hochzeitsflüge

Die Regenzeit hat begonnen. Nachts quaken die Frösche um die Wette und die Termiten setzen zum Hochzeitsfluge an. Vom Licht angezogen fliegen sie zu Tausenden in unsere Häuser, um dort ihre Flügel zu verlieren und sich anschliessend zu paaren. Ein Naturschauspiel der besonderen Art.

Die Regenzeit hat begonnen. Nachts quaken die Frösche um die Wette und die Termiten setzen zum Hochzeitsfluge an. Vom Licht angezogen fliegen sie zu Tausenden in unsere Häuser, um dort ihre Flügel zu verlieren und sich anschliessend zu paaren. Ein Naturschauspiel der besonderen Art. Und wenn man nicht aufpasst, fliegen sie einem direkt in den Mund. Im Gegensatz zu mir freuen sich die Kongolesen darüber; frittierte Termiten gehören hier zu den Delikatessen. Unser Koch streckt mir ein noch lebendes Exemplar entgegen: „Sie sind reich an Proteinen,“ versichert er mir. Als Vegetarierin habe ich eine gute Ausrede, sie trotzdem nicht zu essen.

Dingila, RD Congo, 18.03.2012

Chaque semaine, notre véhicule tout-terrain va dans un autre quartier afin de tester la population pour la maladie du sommeil.

Mit dem Beginn der Regenzeit steigt auch die Zahl der Malariafälle drastisch an. Immer mehr Kinder werden auf unsere Notfallstation gebracht. Der kleine Dieudonné ist soeben mit seiner Mutter eingetroffen. Er hat hohes Fieber und leidet an akuter Anämie, den Hauptsymptomen der Malaria. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn um zu überleben benötigt er dringend eine Bluttransfusion. Da es hier keine Möglichkeit gibt, Blut zu konservieren, muss es unmittelbar nach der Entnahme verabreicht werden. Als erstes werden die Familienangehörigen durchgetestet. Der kleine Junge hat Glück, seine Tante hat dieselbe Blutgruppe. Nun geht alles sehr schnell. Das Blut ist noch warm, als es uns aus dem Labor gebracht wird. Ein paar Minuten später wird es bereits transfundiert. Dieudonné wird leben.

Am Nachmittag besuche ich unsere mobile Klinik in einem Aussenquartier von Dingila. Jede Woche fährt unser Geländewagen in ein anderes Quartier, um die Bevölkerung auf die Schlafkrankheit zu testen. Unser Laborantenteam hat sich mit Mikroskop und Zentrifuge unter einem Strohdach eingerichtet. Die Quartierbewohner stehen geduldig Schlange, bis sie an der Reihe sind. Neugierig und ängstlich beobachten sie die flinken Handbewebungen der Laboranten. Als erstes wird ein Blutstropfen entnommen und zentrifugiert. Danach werden die Lymphknoten abgetastet und wenn nötig punktiert. Eine junge Frau wird positiv getestet. Um das Stadium der Schlafkrankheit festzulegen, muss mittels einer Lumbalpunktion Liquor entnommen werden. Eine schmerzhafte und deshalb gefürchtete Untersuchung. Nach ein paar Minuten steht das Resultat fest: zweites Stadium, die Parasiten sind im Liquor nachweisbar. Zusammen mit vier weiteren Patienten wird sie noch am selben Tag ins Spital gebracht, um die Behandlung zu beginnen.

Es ist schon dunkel, als ich das Spital verlasse. Ein Wächter begleitet mich mit einer Taschenlampe nachhause. „Nioca!“, ruft er plötzlich. Ich erschrecke. Tatsächlich, da schlängelt sich eine schwarze, giftige Schlange über den Weg. Mein Begleiter schlägt mit einem Holzstock auf sie ein, bis sie sich nicht mehr bewegt. Auf dem Feld habe er letzthin eine Schlange getötet, die so dick war wie ein Bein. Sie hätten sie dann gekocht und gegessen, erzählt er. „Fressen diese Schlangen auch Menschen?“, frage ich ihn. „Man muss sie fressen, bevor sie einen fressen“, antwortet er. Das sehe ich ein.

Danach freue ich mich auf eine warme Dusche. Ich schnappe mir einen leeren Eimer und gehe in den Garten, wo das Wasser bereits in einem grossen Kessel über dem Feuer brodelt. Zum heissen Wasser füge ich kaltes hinzu, bis die Temperatur perfekt ist. Dann geht’s los: Mit Wasser bewerfen, einseifen, nochmals mit Wasser bewerfen. Fertig. In meinem Zimmer werde ich bereits von einem Schwarm Termiten erwartet. Ich schüttle mir die letzten Tierchen vom Leibe und flüchte mich unters Moskitonetz. Hoffentlich folgen mir die Plagegeister nicht in den Schlaf!