Groupe de champs
Markttag: "Hier gibt es keine Einkaufstherapie."

An manchen Sonntagen will ich auf den Markt gehen: einkaufen, den Kopf von der Arbeit frei bekommen. Ich gebe zu, dass der Gedanke an Einkaufstherapie mir momentane Befriedigung verschafft. Nur, dass es hier in Wirklichkeit keine Einkaufstherapie gibt. Ich war jetzt mehrere Male auf dem Markt.

An manchen Sonntagen will ich auf den Markt gehen: einkaufen, den Kopf von der Arbeit frei bekommen. Ich gebe zu, dass der Gedanke an Einkaufstherapie mir momentane Befriedigung verschafft. Nur, dass es hier in Wirklichkeit keine Einkaufstherapie gibt. Ich war jetzt mehrere Male auf dem Markt. Jedes Mal habe ich mir vorgestellt, dass ich etwas Interessantes finden würde, und jedes mal bin ich enttäuscht wieder gegangen. Die wunderbaren Fotos von Märkten in Afrika - Farben, Menschen, Gemüse und Früchte - sind hier leider keine Realität.

Der Markt in Bougila

Der Markt in Bougila

Marktbesuche beginnen am Sonntagmorgen. Nach einer faulen Tasse Kaffee, einer Dusche zum Abkühlen und einem Liter Wasser als Vorbereitung machen wir uns auf den heißen staubigen Weg. Wir kommen an Lehmhütten mit Strohdächern vorbei, an Kindern, die in den Höfen spielen, und an riesigen Mangobäumen. Der Strom an grüßenden Dorfbewohnern, Kindern und Krankenhausmitarbeitern, die ihren freien Tag genießen, reißt nicht ab. Jeder scheint unsere Namen zu kennen, während es mir schwerfällt mich zu erinnern, wer wer ist. Wir laufen an den Ruinen des Kinos vorbei, das im vergangenen Monat zusammengebrochen ist, und am Bierladen, wo Frauen regionales Bier in Kalebassen servieren. Die einzige Farbe in der Landschaft ist die bunte Kleidung der Menschen, der Rest besteht aus einem leichten rötlichen Braun. Die Trockenzeit hat alles um uns herum ausgedörrt und mit einer Schicht braunem Staub bedeckt.

Das Grüppchen von Hütten und die Menschen, die hier herumschwirren, machen klar, dass wir den Markt erreicht haben. Wir gehen zu einem Platz mit Mangobäumen und einigen Ständen. Frauen sitzen in Reihen und verkaufen ihre Waren. Jede Reihe hat ein Thema: eine Reihe von getrockneten undefinierbaren Wurzeln, Öl, Pakete voller Salz, Pfeffer, Zucker, Maggiwürfel, gelegentlich Papayas, ein paar teure Zwiebeln und Knoblauch - offensichtlich aus dem Tschad importiert -, kleine Päckchen mit Lollipops. Reihen mit Seife, Flipflops und anderem Plastikgegenständen. Eine Reihe mit verschiedenen puderigen/mehligen Substanzen, Maniok, Mehl (welches dem, das unsere Patienten bekommen, verdächtig ähnlich sieht), Samen, Erdnüsse und Körner. Die Reihe mit dem kleinen getrockneten Getier könnte man "Protein-Reihe" nennen, sie werden dort als Spieße oder in Körben präsentiert: Ratten, Mäuse und einige größere undefinierbare Tiere -alle knusprig braun getrocknet und stinkig! Definitiv NICHT mein Lieblingsteil des Marktes. Der andere weniger angenehme Teil wird "Maniko-Allee" genannt - eine Reihe, die dem viel geliebten Grundnahrungsmittel Maniok gewidmet ist. Die Wurzel wird vergoren, getrocknet und zu Mehl verarbeitet. Die Gegend hier ist bekannt für diesen Gärungsprozess - leider riecht der Maniok wie Erbrochenes (meiner Meinung nach!). Normalerweise vermeide ich diese Reihe tunlichst.

Die Reihe mit frischem Essen könnte man auch "grüne Reihe" nennen, weil es dort nur grüne Maniokblätter, lokales Grünzeug und grüne Tomaten gibt - wenn man sehr viel Glück hat, ist manchmal auch ein schöner frischer Salat dabei! Es gibt eine kleine frische Wasserquelle nahe dem Dorf, deren Wasser die Bauern umleiten um ihren Salat dort zu pflanzen. Ich frage mich, weshalb sie nicht auch anderes Gemüse anpflanzen? Es ist fast unmöglich, andere Frischprodukte zu finden.

Die einzige Unterhaltung auf dem Markt besteht darin, zu versuchen, zum Verkauf angebotene Objekte zu finden, die aus unserem Krankenhaus stammen könnten. Es ist ganz und gar nicht ungewöhnlich, Krankenhausausstattung, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt zu finden. Ich vermute, dass es das überall gibt. Der Unterschied zu zu Hause besteht darin, dass ich dort nur davon höre, in Boguila kann ich es bezeugen.

Nachdem ich alle Reihen einmal hoch- und runtergelaufen bin, ist es Zeit zu gehen. Die Hitze ist heftig und ein frischer Salat für unser Sonntagsmittagsessen ist in der Regel das einzige, das wir kaufen.

Wir laufen langsam nach Hause, die Sonne steht hoch am Himmel und brennt inzwischen noch stärker herunter. Der staubige Weg scheint endlos, und die Enttäuschung, nichts Interessantes gefunden zu haben, hebt nicht gerade die Stimmung. Ich sitze zu Hause, erhole mich, und gelobe, so bald nicht mehr auf den Markt zu gehen. Aber ich weiß genau, dass ich letzten Endes doch wieder losziehen werde, um mich doch noch mal umzusehen...