Groupe de champs
Die Qual der Wahl

Bei meiner Arbeit bin ich unter anderem dafür verantwortlich, dass es eine ausreichende Zahl nationaler medizinische Mitarbeiter gibt, um das Krankenhaus am Laufen zu halten. Kurz nach meiner Ankunft haben hier in Boguila einige unserer Mitarbeiter gekündigt.

Bei meiner Arbeit bin ich unter anderem dafür verantwortlich, dass es eine ausreichende Zahl nationaler medizinische Mitarbeiter gibt, um das Krankenhaus am Laufen zu halten. Kurz nach meiner Ankunft haben hier in Boguila einige unserer Mitarbeiter gekündigt. Dadurch waren wir unterbesetzt, und die Teams mussten Überstunden machen. Es ist eine Herausforderung, in der Zentralafrikanischen Republik qualifiziertes Pflegepersonal und Hebammen zu finden. Nicht viele Leute haben hier die Möglichkeit, eine Universität zu besuchen. Darüber hinaus wollen wir von den Leuten, dass sie nach Boguila umziehen, ein kleines Dorf, das schwierig von der Hauptstadt aus zu erreichen ist. Andererseits bieten wir aber den Leuten auch einen Job an, ein gutes Gehalt und die Gelegenheit, ihren notleidenden Landsleuten zu helfen.

Das Bewebungsverfahren: Sechs Kandidaten für vier Positionen. Sie kommen für die Bewerbung ins Projekt. Schriftliche Prüfung und mündliche Bewerbungsgespräche. Die schriftliche Prüfung war wichtig, um ihre medizinischen Kenntnisse einschätzen zu können. Leider ist es nicht unüblich, dass Universitätsabschlüsse gefälscht werden. Unser Team war darauf bedacht, für alle Positionen geeignete Kandidaten zu finden. Ich habe alle Bewerber im Laufe der zwei Tage kennen gelernt. Jeder hatte eine Geschichte zu erzählen.

Die Erste stellte sich vor: "Ich bin hierher gefahren - weit weg von meinem Zuhause -, um mich für diesen Job zu bewerben. Ich habe meine beiden kleinen Kinder bei meinen Eltern in der Hauptstadt zurückgelassen. Ich möchte in der Lage sein, sie zur Schule schicken zu können. Es wird schwer sein, so weit weg von ihnen, aber noch schwerer wäre es, wenn ich ihnen keine Möglichkeit für eine Ausbildung geben könnte. Ich bin hier, um mein Bestes zu geben und ich hoffe, sie berücksichtigen meine Bewerbung.

Jemand anderes sagte: "Es gibt nur wenige Stellen für mich in Bangui. Ich wollte meine Familie nicht verlassen, aber ich weiß, dass ich einen Job brauche, und ich würde gerne für Ärzte ohne Grenzen arbeiten. Also habe ich meine Taschen gepackt, war lange unterwegs - entlang der dreckigen Straßen -, um hierher zu kommen und mich auf die Stelle zu bewerben. Ich werde hart für sie arbeiten und ich hoffe, sie nehmen mich. Ich habe meinen Mann, meine Kinder und alle meine Freunde weit weg zurückgelassen, um für sie arbeiten zu können."

Ein Dritter sagte: "Ich bin tapfer, ich bin hierher gereist, um mich auf diesen Job zu bewerben. Es ist ein schwerer Tag für mich, weil heute meine Tochter beerdigt wird. Sie ist letzte Woche an Aids gestorben. Sie hat drei Kinder hinterlassen. Aber ich bin heute hier, weil mein Mann mir gesagt hat, ich soll meinen Mut zusammennehmen und weitermachen."

Ich habe dieser Geschichte zugehört und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich habe einfach nur gehofft, dass sie bei der Prüfung gut abschneiden würde.

Jede Geschichte war kompliziert, voller Mühsal, Herausforderungen and Herzensleid. Das wird nicht einfach werden. War es ein kultureller Unterschied, dass sie so offen von all diesen Einzelheiten ihres privaten Lebens erzählten? War es alles wahr? War es dazu gedacht, meine Entscheidung zu beeinflussen? Es wurde mir klarer und klarer, dass die schriftlichen Prüfungen die Grundlage für unsere Entscheidung sein müssen und dass ich Unterstützung von meinem Team brauchen würde.

Ich habe dann in dieser Nacht nicht gut geschlafen. Ich habe von ihren Geschichten und ihrer Mühsal geträumt. Und mir graute davor, zwei Kandidaten sagen zu müssen, dass sie den Job nicht bekommen haben.

Die Prüfungen wurden von Mitgliedern des Teams ausgewertet und beurteilt. Die Bewerbungsgespräche durchgeführt. Entscheidungen wurden gefällt.

Den Kandidaten Bescheid zu geben, die genommen wurden, war ein aufmunterndes und gutes Gefühl. Aber diejenigen zu informieren, die wir nach Hause schicken mussten, war schmerzlich und schwierig. Einer fragte: "Wie soll ich nach Hause zu meinen Eltern zurückkehren und ihnen sagen, dass ich den Job nicht bekommen habe. Sie haben mir zugesichert, dass sie sich um meine Kinder kümmern werden, damit ich arbeiten gehen und Geld verdienen kann. Ich habe alle meine Sachen mitgebracht, ich bin bereit zu arbeiten. Was soll ich ihnen sagen? Wie soll ich ihnen unter die Augen treten?"

Ich habe ihr gesagt, dass es mir leid tut, dass so nun mal die Entscheidung ausgefallen ist. Ich forderte sie auf, stark zu bleiben und sich auf andere Stellen zu bewerben. Ich habe mich bedankt, dass sie gekommen ist, und ihr alles Gute für die Zukunft gewünscht. Dann saß ich da und fühlte mich schrecklich. Das ist schwer. Aber so ist das Leben in der Zentralafrikanischen Republik, das ist die Realität für die Menschen hier. Wenig Jobs, kaum Ressourcen, eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten, permanente Belastung.

Jetzt, wo das Personal wieder vollständig ist, freue ich mich darauf, mehr Energie ins Krankenhaus zu stecken…in die Weiterbildung und die Einbindung der neuen Kollegen, in den Unterricht und die Betreuung der Patienten….so lange, bis die nächste Herausforderung in der Verwaltung oder dem Personalwesen auftaucht.