Conjunto de campos
Amchi Aafe Kerfi oder auf Wiedersehen Kerfi
Ein frühgeborenes Kind hat überlebt, Copyright: Kany Gewalt
Ein frühgeborenes Kind hat überlebt, Copyright: Kany Gewalt

Ein frühgeborenes Kind hat überlebt, Copyright: Kany Gewalt

Die Kinderstation hat am Sonntag vorerst den letzten Pinselstrich bekommen. Vorgestern kam ich regelrecht noch mit Farbe an meinen Händen aus dem Projekt in der Hauptstadt Ndjamena an. Wenige Nächte zuvor wurde ich noch zu einer Steißlagengeburt gerufen. Dann war da noch das Frühgeborene, das völlig geschwächt mit seinen Eltern aus fast 15 km Entfernung zu uns kam. Auf wundersame Weise hat dieses 1.600 Gramm wiegende Kind überlebt, das in Deutschland in einem Perinatalzentrum im Inkubator liegen würde. Heute geht es ihm gut und es wiegt schon über 1.700 Gramm, nachdem wir es so gut es ging über Magensonde aufgepeppelt hatten.  Das waren die Highlights meiner letzten Woche in Kerfi und heute abend schon geht meine Airfrance nach Deutschland, während mein Nachfolger vielleicht gerade versucht, an diesem Markttag in Kerfi im überfüllten Gesundheitszentrum den Überblick zu behalten.

Vieles, das bald auf mich zukommt, erscheint nun unwirklich, wie zu Beginn, als alles hier unwirklich erschien. Hier in Ndjamena kehre ich langsam zu etwas mehr "Zivilisation" zurück. Gleichzeitig sieht man auch hier alle Zeichen der Unterentwicklung, überwiegend UN-Fahrzeuge und unzählige Landcruiser mit Logos von verschiedensten Hilfsorganisationen, die ihr Hauptbüro oder sogar eigene Projekte hier haben. Das macht einem wieder bewusst, dass die Menschen hier daran gewöhnt sind, auf Hilfe außerhalb ihres Landes angewiesen zu sein. Betrachtet man das kaum entwickelte Land ohne nennenswerte Industrie in seiner ganzen Dimension, ist das Projekt in Kerfi "nur" ein winziger Tropfen auf den heißen Wüstensand.
kanya-gewalt-kinderstation

Solange es ein Team von uns mit regelmäßiger Zulieferung von Medikamenten und Materialien vor Ort gibt, profitieren die Menschen sehr von der Gesundheitsversorgung, die wir leisten. Viele verdanken dem sogar ihr Leben. Wir haben uns sehr bemüht, die lokalen Mitarbeiter auszubilden so gut es eben geht und bekamen auch meist eine große Portion Motivation entgegengebracht um alles möglich zu machen, was in einfachsten Verhältnissen möglich ist. Wenn das Projekt eines Tages schließt, bleibt zu hoffen, dass das hiesige Gesundheitsministerium die Mittel und das Personal aufrechterhalten kann, doch wahrscheinlich  wird die Bevölkerung wieder auf Hilfe von außerhalb hoffen müssen. Neben unserem medizinischen Alltag voller Schicksale, die es mal gut oder nicht gut meinen, gibt es doch auch diese andere Seite.
Das sind leider die Limitationen und Realitäten, die einen etwas bitteren Nachgeschmack hinterlassen, den ich nicht vorenthalten will. Für mich ist jedoch sicher, dass jeder Tag es absolut wert war dort gewesen zu sein, um jeden Tag aufs Neue in einem hochmotivierten Team einen kleinen oder großen Unterschied im Leben vieler Menschen gemacht zu haben. Wieder denke ich an Mustafa, der hoffentlich eines Tages ohne Stock in meinen mittlerweile etwas abgenutzten Nike Turnschuhen, die ich ihm am Tag meiner Abreise dagelassen habe mit anderen Kindern durch Kerfi laufen wird.