Conjunto de campos
Vorweihnachtszeit in Kerfi

Erinnern Sie sich noch an Mustafa und sein Bein, dass durch ein Tropenulkus auf dem Spiel stand? Ich sehe ihn wieder regelmäßig zum Verbandswechsel und die Wunde sieht nach dem Eingriff im Referenzkrankenhaus um einiges besser aus.

Erinnern Sie sich noch an Mustafa und sein Bein, dass durch ein Tropenulkus auf dem Spiel stand? Ich sehe ihn wieder regelmäßig zum Verbandswechsel und die Wunde sieht nach dem Eingriff im Referenzkrankenhaus um einiges besser aus. Ich hoffe, dass ich es während meiner verbleibenden Zeit hier noch erleben kann, wie er vielleicht sogar auf seinen Beinen steht.

Das Klima hat sich hier mittlerweile verändert und es kühlt nachts deutlich ab, passend zur Vorweihnachtszeit, von der man hier sonst nichts mitbekommt, abgesehen vom immer wieder aufgegriffenen Thema, was wir denn als Weihnachtsessen kochen wollen und wie wir das organisatorisch hinbekommen, die entsprechenden Lebensmitteln aus der Landeshauptstadt zu uns zu schaffen, sofern dort vorhanden.  Man mag es kaum glauben, aber wir haben bereits Apfelstrudel und Weihnachtsplätzchen backen können.

Kerfi wird täglich lebendiger und es verkehren an Markttagen Lastwagen, die aus der Hauptstadt Ndjamena und aus der anderen Richtung bis hin aus dem Sudan kommen. Es geht entsprechend bunt in unserem Gesundheitszentrum zu. Sehr oft sind Leben und Tod nicht weit voneinander entfernt. Eltern aus einem 40km entfernten Dorf kamen heute völlig übermüdet mit ihrem drei Monate alten Kind an, das schwere Verbrennungen erlitten hat. Den gestrigen Tag und die Nacht über sind sie unermüdlich mit Esel und dem Nötigsten unterwegs zu uns gewesen. Marc, der Krankenpfleger und ich haben die Wundversorgung unter Narkose vornehmen müssen, da die Schmerzen unerträglich gewesen wären. Beide Beine waren bis zum Genitale mit großen Brandblasen übersät. Da hier weit und breit das offene Feuer die einzige Energiequelle vor allem zum Kochen darstellt, kommen Verbrennungen leider sehr häufig vor. Manchmal sind Kinder für ihr Leben lang entstellt, wenn unglücklicher Weise das Gesicht betroffen ist.

Nach dem Verband gehe ich zur Krankenstation um nach einem anderen Kleinkind schauen, dass gestern fast tot von der Mutter gebracht wurde. Es ist uns noch gelungen, das Kind bis heute so gut es geht zu stabilisieren, aber als ich die Mutter sehe, wie sie mit versteinerter Miene ihr Bündel packt, ahne ich Böses noch bevor ich das leblose Kind sehe.  Ich habe nicht viel Zeit darüber nachzudenken, denn es warten noch viele andere Patienten mit großen und kleinen Problemen.

Blick aus der Klinik.

Blick aus der Klinik.

Erst nachdem der letzte Patient gegangen ist, habe ich Zeit nachzudenken. Ich habe mich auf die Klinikstufen gesetzt, von denen man auf den geschäftigen breiten Weg sieht, der aus Kerfi hinausführt. Wie viele dieser Menschen suchen wohl vertrauensvoll, wie diese Mutter mit ihrem Kind, zunächst traditionelle Heiler (Marabus) auf, bevor sie zu uns kommen? Auch wenn wir hier mit relativ wenig Mitteln arbeiten können, so macht verlorene Zeit doch viel aus und stellt uns immer wieder vor Herausforderungen, denen wir leider nicht immer gewachsen sind.