Conjunto de campos
Mustafa
Mustafa leidet an Buruli Ulcus, Copyright: Kanya Gewalt
Mustafa leidet an Buruli Ulcus, Copyright: Kanya Gewalt

Mustafa leidet an Buruli Ulcus, Copyright: Kanya Gewalt

Mit dem langsamen Rückgang der Wasserspiegel in den Flüssen und Wadis um Kerfi wird es im Gesundheitszentrum etwas geschäftiger. Vom Husten, der mittlerweile endemischen Malaria bis sogar zum Tetanus ist alles möglich. Ein Schicksal trifft mich besonders. Mustafa, ein etwa 10 jähriger Junge ist vor der Regenzeit schon Stammgast bei uns gewesen. Es fing mit einer kleinen Wunde an, die nicht heilen wollte. Ich habe mir noch nicht viel dabei gedacht, als ein kleiner Junge mit einer verbundenen Wunde am Schienenbein von seinem Vater in den Verbandsraum getragen wird. Ich habe meine Visite noch nicht beendet, da soll ich in den Verbandsraum kommen. Mich schauen gequälte große Kinderaugen an und mein Blick wandert zum Bein, das auf der Verbandsvorrichtung aufgestellt ist. Ich schaue auf eine Wunde mit entblößten Knochen und bin erst mal sprachlos. Gedanken, wie „der arme Junge“, „das müssen schlimme Schmerzen sein“, „was ist das und was kann ich tun?“, „ist der Knochen schon entzündet“, „wird er überhaupt sein Bein behalten können?“ gehen mir durch den Kopf. Mustafa wird manchmal von seiner Mutter auf dem Esel gebracht, manchmal trägt ihn der Vater die vier oder fünf Kilometer zum Gesundheitszentrum, um die täglichen Verbände und Spritzen zu bekommen, die vielleicht bei diesem Buruli Ulkus (tropisches Geschwür)* helfen, vielleicht auch nicht.

Im Verbandsraum ist der Betrieb währenddessen in vollem Gange. Von großen und kleinen Schnittwunden, Pfählungsverletzungen und riesigen Eiterabszessen ist alles dabei. So bekomme ich hier die Hochsaison der Feldarbeit mit.

Als ich vom Gesundheitszentrum zurückgehe, sehe ich Menschen mit Sensen und anderen Ackerwerkzeugen, die von ihren Feldern kommen, denn jetzt ist Erntezeit für Mais.

Was würde wohl aus Mustafa werden, wenn er sein Bein verliert? Landwirtschaft bedeutet hier Lebensunterhalt und häufig einzige Überlebensmöglichkeit; da erübrigt es sich, die Dimension der Bedeutung vom Verlust eines Beines zu erklären. Auf Prothetik wage ich hier kaum zu hoffen.

Im Kontakt mit dem Medizinkoordinator in der Landeshauptstadt hoffe ich sehr, dass wir sehr bald eine Lösung für Mustafa finden können, der im übrigen nicht einmal die Schule besuchen kann, die einige Kilometer Fußmarsch entfernt liegt.

* Buruli Ulkus: Der Erreger ist wie bei Tuberkulose und Lepra ein Mycobakterium, durch das sich eine Art Geschwür unter oder auf der Haut bildet. Die Infektion zerstört Haut und Knochengewebe. Die Geschwüre müssen chirurgisch entfernt werden. Wegen ihrer Größe kann es zu Amputationen kommen.