Conjunto de campos
Aus dem Regen folgt die Flut
Von der Flut betroffene Kinder
Von der Flut betroffene Kinder

Von der Flut betroffene Kinder

Man sagt, die Uhren ticken langsamer in Afrika, aber ich habe den Eindruck, dass die Zeit nur so an uns vorbeirauscht. Es sind nun schon bald vier Monate meines Einsatzes im Tschad vergangen und jeder Tag birgt neue Herausforderungen und stets ist viel zu tun.

Es sind schon bald sechs Wochen vergangen, seitdem wir eine Erkundung in Richtung Djolo, ca. 15 km von Kerfi gemacht haben. Das Ziel war es, unsere mangelernährten Patienten, die zu einem großen Teil aus diesem Dorf kommen, zu erreichen. Durch die Umstände der Flutungen ist es ihnen kaum möglich gewesen, zu uns zu kommen. Wir hören immer wieder von Menschen, die beim Versuch, den Fluss schwimmend zu überqueren, ertrinken. Mütter müssen auf diese Weise mit ihrem kranken Kind in einem holzartigen Korbgefäß, dass sie vor sich herschubsen, ihren Weg zu uns finden. Nicht selten müssen sie sich noch vor Tagesanbruch auf den Weg machen und kommen völlig erschöpft bei uns an.

Leider ist unser Versuch, diese Menschen zu erreichen, weitgehend gescheitert, und wir haben den Fluten nicht viel entgegenzusetzen. Wir sind resigniert umgekehrt, da die Wassermassen einfach zu groß waren, der Weg dadurch nur langsam zurückzulegen ist, und wir es an dem Tag vielleicht nicht mehr vor Anbruch der Dunkelheit zurückgeschafft hätten. So ist uns nichts anderes übriggeblieben, als im Gesundheitszentrum das Wegbleiben unserer mangelernährten Kinder frustriert zur Kenntnis zu nehmen und zu hoffen, dass wir sie wiedersehen und behandeln können, wenn die Wassermassen weniger werden. Die Mütter, die es mit ihren Kindern zu uns schaffen, erzählen uns von ihren überfluteten Häusern, der weggeschwemmten Ernte, dass sie nun versuchen, sich von den Wasserpflanzen zu ernähren. Folglich ist der Durchfall ein großes Problem, vor allem für die Kinder. Da auch die Malaria ihren Höhepunkt der Saison erreichen wird, sind weitere Probleme vorprogrammiert.

Im Gesundheitszentrum geht der Betrieb währenddessen weiter, und wir sehen täglich komplizierte Fälle, die mich trotz aller Geschehnisse hier erschrecken. Die Menschen kommen schon außerhalb der Regenzeit oft erst spät, wenn es bereits Komplikationen gibt, da oft der traditionellen Medizin Vorrang gewährt wird. Jetzt, während der Regenzeit und den zusätzlich erschwerten Bedingungen, erreichen uns diese Menschen oft noch viel später, da man es sich noch einmal mehr überlegen muss, ob man diesen beschwerlichen und nicht ungefährlichen Weg auf sich nimmt.

Erst kürzlich wurde morgens ein fast bewusstloses elfjähriges Kind von seiner Familie gebracht, die schon viele Stunden unterwegs war. Nur wenige Stunden später erliegt dieses Kind seiner komplizierten Malaria. Ich frage mich, wie viele Menschen uns erst gar nicht erreichen, weil sie vielleicht auf dem Weg oder noch zu Hause versterben.