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Meine erste Sprechstunde

Mein zweiter Tag im CDS war ein Samstag, ebenfalls ein Tag, an dem halbtags gearbeitet wird. Kaum war die Frühbesprechung vorbei stellte sich heraus, dass sich einer der Pfleger mit Durchfall krank gemeldet hatte. Schnell fiel der Blick auf mich.

Mein zweiter Tag im CDS war ein Samstag, ebenfalls ein Tag, an dem halbtags gearbeitet wird. Kaum war die Frühbesprechung vorbei stellte sich heraus, dass sich einer der Pfleger mit Durchfall krank gemeldet hatte. Schnell fiel der Blick auf mich. Moussa, ein vielleicht gerade 18 jähriger Tagelöhner, der mit für die Patientenregistrierungen zuständig und was entscheidender war, der Französisch und Arabisch konnte, wurde von seinem Posten in der Patientenaufnahme abgezogen und stand mir nun als Übersetzer zur Seite, da die Patienten alle nur Arabisch sprachen. So kam ich prompt zu meiner ersten Sprechstunde.

Sprechstunde im Gesundheitszentrum

Sprechstunde im Gesundheitszentrum

Ausgestattet mit Moussa, einem Schreibtisch, Rezeptblock, Patientenliege, Seife und Wassereimer in der Ecke (und eigenem Stethoskop) ging es dann einfach los. Schnell holte ich mir noch meine zwei medizinischen Bibeln und einen Taschenrechner. Auch wenn ich mit den sprachlichen Barrieren in knappen zwei Stunden nur fünf Patienten versorgen konnte, so ergab es doch ein für diese Verhältnisse repräsentatives Bild. Vier Patienten waren unter einem Jahr alt und die andere Patientin war 40. Zwei Patienten hatten Durchfall, davon ein Kind, dass so mangelernährt war, dass es direkt in unser Ernährungsprogramm aufgenommen wurde. Weiterhin hatte ich einen Fall von oberer Atemwegserkrankung, einen Harnwegsinfekt und eine bakterielle Hauterkrankung.
Am Nachmittag gab es eine Besprechung der internationalen und der nationalen Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeiter über aktuelle Probleme im CDS. Eines der Probleme, denen wir gegenüberstehen, sind die seit einiger Zeit immer weniger werdenden Geburtenzahlen. Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine Hausgeburt mit einer Daya (traditionelle Hebamme, aber ohne Ausbildung). Ein großes Problem stellen dabei hauptsächlich mangelnde Hygiene bei der Geburt und entsprechende Infektionen, nicht erkannte Komplikationen und Risiken, bzw. mangelnde Mittel und Kompetenzen zur Intervention dar, so dass diese Frauen wenn überhaupt, dann häufig zu spät zum CDS gebracht werden.

Anstrengungen dagegen werden zum einen in der Schwangerensprechstunde unternommen, in denen die Frauen motiviert und über Risiken einer Hausgeburt aufgeklärt werden. Die kostenlose Seife und das Handtuch, das jede Frau bekommt die zur Geburt erscheint, scheint als Motivation allein nicht auszureichen. Nach Auffassung der Pfleger hat das mit kulturellen Hintergründen zu tun, da eine Geburt, wie das Kochen und der Haushalt eine Sache des eigenen Hauses sei. Zumal traditionell die ganze Familie dem Ereignis beiwohne. Darin sehe ich eine der großen Herausforderung hier. Gerade vor erst einigen Tagen ist eine Frau mit Plazenta prävia (wobei der Mutterkuchen den Muttermund versperrt) fast verblutet. Letztlich konnte die Frau noch überleben, für das Kind war es leider schon lange zu spät. Es gibt viel Verbesserungsbedarf für die hiesige Geburtshilfe, wenig Möglichkeiten, jedoch viel Motivation unsererseits. Ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, einiges zum Besseren zu verändern.