Feldgruppe
Erster Halt: Goma

Nach über 30 Berufsjahren und zuletzt leitender Position erfüllt Wolfgang sich einen Traum: er kehrt zurück zu seinen Wurzeln und bricht dabei auf ins Unbekannte. Endlich wieder als Arzt praktizierend führt ihn sein dritter Einsatz in die D. R. Kongo:

Es geht los! Nach einer intensiven Schulung in einem der Hauptquartiere von Ärzte ohne Grenzen in Amsterdam zum Umgang mit der Ebola-Epidemie ist es soweit: Wir, die neue Projekt-Koordinatorin Federica aus dem Piemont und ich, fliegen nach Kigali in Ruanda. Von dort geht es am nächsten Morgen weiter mit dem Auto: vier Stunden nach Goma, eine Grosstadt im Osten der Demokratischen Republik Kongo. 

Trockene Breifings und überwältigender Spirit

Das Team vor Ort empfängt uns herzlich, das Quartier und das gemeinsame Abendessen sind vorbereitet. Sofort lasse ich mich von dem überwältigenden Teamspirit begeistern, den ich schon in den vorigen Projekten so sehr schätzen gelernt habe. Die „Briefings“ also Einweisungen in die lokalen Gegebenheiten, auch die Sicherheitslage im Land und im Projektgebiet Nord-Kivu, nehmen die nächsten zwei Tage ein. Was trocken klingt, ist in Wahrheit der spannende Einstieg in eines der grössten Projekte von Ärzte ohne Grenzen weltweit: 

Insgesamt verwalten wir zwei Krankenhäuser in der Gemeinde Mweso und im Gebiet von Walikale und unterstützen neun Gesundheitszentren an diesen beiden Standorten. Darüber hinaus bietet Ärzte ohne Grenzen elf weiteren Gesundheitszentren Unterstützung bei der Behandlung von Patient*innen mit Malaria, Durchfallerkrankungen, Atemwegsinfektionen sowie bei der Behandlung von Überlebenden sexualisierter Gewalt. Auch über eigene Kliniken verfügen wir in Mweso und Walikale mit dem Namen '' Tumaini '' - Hoffnung - für reproduktive Gesundheit.  Darüber hinaus koordiniert Ärzte ohne Grenzen eine Ebola-Präventionskampagne sowie ein Behandlungszentrum in der Stadt Goma, der Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu.  

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Was mich in Goma wohl erwartet? Ein Selfie bei Ankunft im Hopital Provencial de Nord-Kivu.

Plötzlich Kinderanästhesist

In den verbleibenden Tagen bis zu meinem Arbeitsbeginn in Mweso darf ich in der Chirurgie und Anästhesie im Hopital Provencial de Nord-Kivu mitarbeiten. Auch dort werde ich herzlich empfangen. Die Mischung aus französischer, manchmal etwas formeller Höflichkeit und offener, zugewandter Freundlichkeit der Kongoles*innen begeistert mich.

Überraschend ist für mich auch, wie hoch die Qualität der klinischen Arbeit ist - trotz räumlicher Enge, knappen Ressourcen und vielen Patient*innen. Das Anästhesie-Team besteht aus zwei erfahrenen Krankenpflegern, die für drei OP-Säle zuständig sind. Gern nehmen sie mein Unterstützungsangebot an. Schon am ersten Tag finde ich mich als Kinderanästhesist wieder, eines meiner liebsten Aufgabengebiete. Das gegenseitige Interesse an den Vorgehensweisen ist gross und die beste Basis für jede Zusammenarbeit. Und so vergeht die „Wartezeit“ in Goma im Flug ...