Feldgruppe
Die medizinische und die menschliche Seite von Fürsorge

Wolfgangs Zeit in der D. R. Kongo ist kurz, gerade einmal fünf Wochen. Doch das Team ist lernbegierig. Aber auch Wolfgang lernt noch so einiges dazu - nicht nur Französisch und Suaheli.

Meine Zeit in Mweso ist kurz, nicht ganz fünf Wochen. Am Anfang einer neuen Zusammenarbeit steht immer ein gelassenes Beobachten und gegenseitiges Abtasten. Vertrauen zwischen den unterschiedlichen Welten der Anästhesie und des Lebens braucht Zeit zum Wachsen. Die grauen Haare aus mehr als 35 Jahren Beruf und Leben, mitunter in Führungspositionen, helfen mir dabei und schaffen einen spürbaren Vertrauensvorschuss.

Die grosse Lernbereitschaft der „equipe“

Sechs Anästhesie-Assistent*innen (Pflegekräfte) und sechs operative „Infirmiers“ bilden das Team vom „Bloc-OP“. Noch ist dieser, bis zur bald abgeschlossenen Renovierung, in Behelfsräumen untergebracht. Die „equipe“, also meine Mannschaft, wünscht tägliche (!) Schulungen und Trainings, zu verschiedenen Themen aus der Hygiene ,der Anästhesie und der Intensivmedizin. Das Interesse an meinen abends zusammengebastelten Powerpoint-Präsentationen überwältigt mich, viele kommen sogar in ihrer Freizeit. Und alle helfen mir, das noch etwas holprige Französisch weiter zu verbessern.

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Auch die Station für Magelernährung liegt selbstverständlich auf unserer Visitentour.

Der Arbeitstag beginnt mit einer gemeinsamen Besprechung.  Anwesend sind alle 15 Ärzt*innen, alle Allgemeinmediziner*innen. Manche haben sich Schwerpunkte in den Bereichen Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie oder in der Intensivmedizin gesucht. Nach der Besprechung folgt die Visite. Wir besuchen gemeinsam drei oder vier Ptatient*innen mit besonders problematischen Krankheitsbildern. Dabei gehen wir auf alle Stationen, bevor jeder seinen Bereich visitiert. Ich begleite naturgemäss die Chirurgen.

Fürsorge auf Suaheli

Geplante Operationen gibt es derzeit nur ein bis zwei pro Tag. Gelegentlich kommen aus der Notaufnahme dringende Anliegen. Die grosse „Maternité“, also die Entbindungsstation, erfordert jeden Tag mehrere dringende Kaiserschnitte. Anästhesie-  und Assistententeam bewältigen das souverän – tags und nachts. Die hygienischen und organisatorischen Voraussetzungen für erfolgreiche Operationen finden gute Beachtung. Und das, trotz aller baulichen und materiellen Einschränkungen.  

Auch die menschliche Seite der Fürsorge kommt zu ihrem Recht. Im dabei verwendeten Suaheli komme ich allerdings über jambo (hallo), habari (guten Tag), badaaye (auf Wiedersehen), karibu (bitte), ashanti (danke), ndio (ja) und samahani (entschuldigung) nicht hinaus. Kürzlich haben wir alle zusammen den Welttag der psychischen Gesundheit begangen. Was zu Hause wie einer der viel zu vielen Gedenktage erscheinen mag, war bei uns in Mweso ein Fest für alle Mitarbeiter*innen und Anwohnenden unter Teilnahme der örtlichen Prominenz. Die Festreden zum Auftakt im Hôpital waren noch sehr formell. Später auf dem Fussballplatz entdeckten dann die Kinder die Lautsprecheranlage… Von da an wurde Musik gespielt und getanzt. 

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Sobald die Kinder die Musik hörten, gab es kein Halten mehr. 

Psychische Gesundheit, ein Fest!

Für die Erwachsenen gab es eine Präsentation zum Tagesthema „Suizidprävention“. Höhepunkt war eine Theatervorstellung von Mitarbeiter*innen, die auch die heiklen Themen Alkoholmissbrauch, Gewalt in der Familie, Trennung der Eltern und sexualisierte Gewalt ansprach. Ein Format, das gut ankam. Mit einem Empfang und einem gemeinsamen Essen im Saal der Kirchengemeinde endete das Fest.     

Und schon bald endet auch meine Zeit hier. Doch einmal lass ich euch noch hinter die Kulissen schauen – in meinem nächsten Blogbeitrag…

Euer Wolfgang