Feldgruppe
Swasiland: Dank einer zweiten Chance im Leben die WM sehen können

Jeremiah Thwala ist mit HIV und TB infiziert. Antiretrovirale Medikamente erlauben es ihm, ein für viele selbstverständliches Vergnügen zu genießen.

Jeremiah Thwala ist mit HIV und TB infiziert. Antiretrovirale Medikamente erlauben es ihm, ein für viele selbstverständliches Vergnügen zu genießen.

Die Familie Thwala versammelt sich um das kleine Radio und hört den Kommentatoren des Eröffnungsspiels der 2010 FIFA Weltmeisterschaft zu. Die Aufregung in dem kleinen Vier-Zimmer-Haus ist so groß, dass die Nachbarn, die vorbeigehen, sie beinahe spüren können. Wie Millionen Fußballfans auf der ganzen Welt haben die Thwalas dem Großevent schon lange entgegengefiebert. Für sie ist die Weltmeisterschaft diesmal besonders aufregend, da das größte Sportereignis der Welt zum ersten Mal in der Geschichte in Afrika stattfindet - im benachbarten Südafrika.

Familie Thwala lebt in Jerusalem, einer kleinen Gemeinde in der Shiselweni Region, im Süden von Swasiland.
Das kleine Königreich Swasiland liegt zwischen Südafrika und Mosambik. Es ist das Land mit der weltweit größten HIV/Aids-Verbreitung: Jeder Vierte ist dort HIV-positiv.

Für das Familienoberhaupt, den 48-jährigen Jeremiah Twala, ist dieser Moment eine willkommene Atempause vom Leid einer Krankheit, die ihn in den vergangenen zwei Jahren schwer mitgenommen hat. Er muss immer daran denken, dass er diese historische Fußballweltmeisterschaft fast verpasst hätte, als er beinahe an der Killer-Kombination HIV und Tuberkulose (TB) gestorben wäre. Wenn er in die aufgeregten Gesichter seiner drei Kinder blickt, zwei Jungen im Teenageralter und ein Mädchen, kann er die zweite Chance nur wertschätzen, die er im Leben bekommen hat.

Jeremiah Thwala

Jeremiah Thwala

Die antiretroviralen (ARV) Medikamente und eine Behandlung gegen multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) haben es ihm ermöglicht, sein Leben zurückzubekommen. Jeremiah ist einer von Tausenden Swasis, die sowohl mit HIV als auch mit TB infiziert sind (bzw. wie in seinem Fall mit MDR-TB, die schwieriger zu behandeln und die tödlichere Form der Tuberkulose ist).

"ARVs und TB-Medikamente haben mir eine zweite Chance im Leben gegeben, aber es ist schrecklich, dass meine Frau diese zweite Chance nicht bekommen hat", klagt er. Jeremiahs Frau, Patricia Masuku, starb im Jahr 2005, noch bevor eine Diagnose gestellt werden konnte, da die Familie nie medizinische Hilfe suchte. Sie glaubten, dass ihre Krankheit auf Hexerei von Nachbarn in der Gemeinde zurückzuführen sei.
Während viele Menschen in Swasiland durch solche irreführende Vorstellungen unnötig gestorben sind, sind heute viele am Leben, weil sie jetzt Zugang zu kostenlosen lebensrettenden HIV- und TB-Behandlungen in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen haben.

Jeremiah ist zurzeit aufgrund seines Gesundheitszustandes arbeitslos, aber dank der Behandlung erholt er sich langsam wieder. Er sagt, dass er allen Grund hat, unendlich dankbar zu sein, dass er Zugang zu ARVs und HIV-Medikamenten bekommen hat. Er hat nun die Chance, seine Kinder großzuziehen und sein erstes Enkelkind kennenzulernen.

Im Moment genießt er das Spiel zwischen Frankreich und Mexiko. Ein einfaches Vergnügen, das für viele selbstverständlich ist - für Jeremiah und seine Kinder aber hat es einen magischen Moment.
(Lungile Dlamini, Referent für Information, Bildung und Kommunikation, Mbabane, Swasiland.)