Feldgruppe
Willkommen in meinem Alltag

Nun habe ich schon drei Monate hier verbracht. Es ist Samstag und mein einziger freier Tag in dieser Woche. Kostbare Freizeit, die man natürlich auskosten möchte. Wenn einem nicht der ungewohnte Alltag hier manchmal einen Strich durch die Rechnung macht.

Es ist ihr insgesamt zweiter Auslandseinsatz, ihr erster mit Ärzte ohne Grenzen. Sylvia Schaber ist Internistin und für uns in Bossangoa in der Zentralafrikanischen Republik. In ihrem Blog berichtet die junge Ärztin von neuen Erfahrungen und begeisternden Menschen, aber auch von harter Realität und schwierigen Herausforderungen.

Kostbare Freizeit

Nun habe ich schon drei Monate hier verbracht. Ich bin nach wie vor sehr froh, dass ich meinen Einsatz verlängern konnte. Es ist Samstag und mein einziger freier Tag in dieser Woche. Kostbare Freizeit. Nachdem ich über Mittag mit zwei Kollegen auf dem Markt war, um massgeschneiderte Kleider vom Schneider abzuholen, liege ich nun in der Hängematte auf unserer „Sky Bar“ – einer erhöhten, überdachten Terrasse mit Blick auf den nahegelegenen Fluss.

Ein guter Zeitpunkt, um mal einen Blogbeitrag über Leben und Zusammenleben hier im Compound zu schreiben. Denn sich mit so vielen Menschen auf engem Raum zu arrangieren, ist eine Herausforderung. Es ist aber auch äusserst interessant, wie sich dadurch die Beziehungen zu verschiedenen Leuten im Team entwickeln und verändern. Manche Kollegen sind inzwischen gute Freunde geworden. Aber wie es so ist – man liegt nicht mit jeder oder jedem auf der gleichen Wellenlänge. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich mit Herausforderungen meine, möchte ich euch einmal mit in meinen Alltag nehmen:

Unter gutem Kaffee versteht halt jeder etwas Anderes

Ich komme aus meinem Zimmer. Noch bevor sich meine Augen an das grelle Sonnenlicht gewöhnen können, begrüssen mich bereits zwei Nachbarn, die von der Dusche zurückkommen. Mein Ziel sind die Toiletten oder besser gesagt … die Toilette. Dort angekommen, heisst es warten. Eine Toilette für ca. zehn Personen ist eben sehr gefragt. Zurück in meinem Zimmer wickele ich mich in mein Handtuch, um zur Dusche zu gehen. Ich hatte Glück – sie wird gerade frei.

Auch am Frühstückstisch ist noch ein Platz frei und jemand hat schon Kaffee in unserer French-Press-Kanne zubereitet. Es ist eine Art morgendliches Ritual. Allerdings gibt es über die Menge des Kaffeepulvers unterschiedliche Meinungen. Ich erwische gerade noch eine halbe Tasse. Leider ist die Milch zurzeit aus. Die nächste Lieferung aus der Hauptstadt wird sehnsüchtig erwartet.

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Man weiss nie, wie lang die Schlange vor der einzigen Toilette ist.

Unter 7:20 Uhr versteht halt jeder etwas Anderes

Um zwanzig nach sieben ist, wie jeden Arbeitstag, Abfahrt mit dem Auto ins Krankenhaus. Leider gibt es auch unterschiedliche Meinungen, was unter 7:20 Uhr zu verstehen sei. Manch einen Morgen führt das zu kleineren Spannungen im Landcruiser. Im Krankenhaus angekommen, beginnt der Arbeitstag um 7:30 Uhr mit der Morgenversammlung. Dann nimmt der ganz normale Wahnsinn seinen Lauf …

Ich hoffe, ich konnte euch zumindest einen kleinen Eindruck vermitteln, wo die Besonderheiten im Zusammenleben liegen und dass nicht nur die Arbeit hier in Bossangoa herausfordernd sein kann. Die entscheidende Frage ist immer, wie man damit umgeht. Bei einem Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen, da bin ich überzeugt, lernt jeder etwas über sich dazu!