Feldgruppe
Ich bleib‘ dann mal ...

Die Arbeit reisst nicht ab. Malaria, Mangelernährung, Tetanus, Tollwut - Ich lerne hier so viel von meinen afrikanischen Kollegen! Auch konnte ich trotz Herausforderungen wie z.B. der Sicherheitslage in der Zentralafrikanischen Republik meinen Vertrag verlängern.

Eigentlich sollten es drei Monate werden, nun bleibt Sylvia Schaber für sechs Montage in der Zentralafrikanischen Republik. Sie ist Internistin und für uns im Krankenhaus in Bossangoa. In ihrem Blog berichtet die junge Ärztin von neuen Erfahrungen und begeisternden Menschen, aber auch von harter Realität und schwierigen Herausforderungen.

Die Arbeit reisst nicht ab. Malariafälle haben wir nach wie vor unglaublich viele. Nun kommen immer mehr Patientinnen und Patienten mit Hirnhautentzündung dazu. Bisher haben wir schon vier Patienten, die darunter litten, hier in Bossangoa behandelt. Doch in der Trockenzeit, also während in Deutschland Winter ist, werden die Fallzahlen wohl noch deutlich steigen. Leider verläuft eine Hirnhautentzündung hier häufig schwer und bringt für die Menschen eine tagelange Behandlung auf der Intensivstation mit sich. 

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„Bei diesen Krankheitsbildern lerne ich viel von meinen afrikanischen Kollegen!“

Zudem haben wir zurzeit zwei Patienten mit Tetanus (Wundstarrkrampf) im Krankenhaus sowie eine Person mit Tollwut. Beides sind Krankheitsbilder, die ich bisher nur aus Vorlesungen kannte und bei denen ich besonders viel von den zentralafrikanischen Kolleginnen und Kollegen lerne. Eigentlich wären beide Krankheiten durch Impfungen weitestgehend vermeidbar. Leider sind in der Zentralafrikanischen Republik nur wenige Menschen geimpft. Das lässt erahnen, wie es um die medizinische Versorgung bestellt ist und wie wichtig unser Einsatz vor Ort ist. Doch auch für uns ist es nicht immer leicht, unserer Arbeit nachzugehen:

Denn noch kann man nicht von einer stabilen Situation im Land sprechen. Wahlen haben in der Zentralafrikanischen Republik zuletzt im Jahr 2016 stattgefunden. Seitdem regiert der ehemalige Universitätsprofessor Faustin Archange Tuadera als parteiloser Präsident. In mehreren Regionen der Zentralafrikanischen Republik kommt es allerdings immer wieder zu Auseinandersetzungen. Unsere Arbeit ist regelmässig von der Unsicherheit betroffen. So mussten wir beispielsweise bereits im Mai einen Teil unseres Teams aus Bambari nach einem bewaffneten Überfall in einem unserer Gästehäuser vorübergehend evakuieren. 

Trotzdem oder gerade deswegen

Dennoch war die Nachricht, die ich kürzlich erhielt, für mich sehr erfreulich – mein Vertrag wird von drei auf sechs Monate verlängert! Ich bin sehr froh, dass ich das Team hier noch länger unterstützen darf. Gerade jetzt, wo ich mich im Krankenhaus gut zurechtfinde und auch alleine mit Schlangenbissen, Bissen von tollwütigen Hunden und vielen anderen Fällen zurechtkomme. Und auch auf der persönlichen, zwischenmenschlichen Ebene haben wir uns alle besser kennengelernt. Wir sind ein Team geworden. 

Nur um meine Lieben Zuhause tut es mir ein bisschen Leid. Sie haben sich vielleicht etwas Anderes gewünscht. Zum Glück habe ich Familie und Freunde, die mich unterstützen, und einen Freund, der weiß was es mir bedeutet, hier zu sein. An dieser Stelle ist es daher einmal an der Zeit, DANKE zu sagen. Denn ein so tolles, unterstützendes Umfeld hilft ungemein – wenn man Rat braucht, Trost sucht oder man einfach mal Dampf ablassen muss. Vor allem macht es mich glücklich zu wissen, wohin ich nach meiner Zeit hier im Krankenhaus in Bossangoa zurückkehren darf!