Feldgruppe
Alle in einem Bett

Im Krankenhaus gibt es immer viel zu tun. Für unser Team heisst das, arbeiten auf Hochtouren und für das Krankenhaus maximale Bettenauslastung: Zumeist teilen sich zwei Kinder und ihre Mütter ein Bett. Es schlafen also vier Personen in einem Bett!

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Es ist ihr insgesamt zweiter Auslandseinsatz, ihr erster mit Ärzte ohne Grenzen. Sylvia Schaber ist Internistin und für uns in Bossangoa in der Zentralafrikanischen Republik. In ihrem Blog berichtet die junge Ärztin von neuen Erfahrungen und begeisternden Menschen, aber auch von harter Realität und schwierigen Herausforderungen.

Nun bin ich schon mehr als zwei Wochen in Bossangoa … die Zeit vergeht wie im Flug! Im Krankenhaus gibt es eigentlich immer viel zu tun. Für unser Team heisst das, arbeiten auf Hochtouren und für das Krankenhaus maximale Bettenauslastung: Auf der Ernährungsstation für mangelernährte Kinder sind zurzeit zum Beispiel mehr als 90 junge Patientinnen und Patienten mit ihren Müttern. Es gibt allerdings nur 45 Betten. Zumeist teilen sich zwei Kinder ein Bett. Auch ihre Mütter schlafen mit in den Betten, das macht also vier Personen pro Bett!

„Aus europäischer Sicht ist das alles unvorstellbar“

Eine der ersten Dinge, die man hier lernt, ist, dass die westeuropäischen Standards bezüglich Anliegen wie Privatsphäre, Hygiene und Pflege hier aus Ressourcenmangel kaum einzuhalten sind. Hier übernehmen die Angehörigen der Kinder viele Pflegeaufgaben. Und das spiegelt sich auch organisatorisch wieder. So wird Essen im Krankenhaus sowohl für die Kinder als auch für eine Begleitperson bereitgestellt.

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Facily, mein Vorgesetzter, bei der Untersuchung unser jungen Patienten.

Zurzeit begleitet mich mein Vorgesetzter Facily (zum Glück) noch auf meiner Visite. Wir besuchen täglich ca. 50-60 Patientinnen und Patienten. Malaria ist die mit Abstand häufigste Diagnose. Denn aktuell ist Regenzeit in der Zentralafrikanischen Republik. Und Regenzeit könnte hier genauso gut Malariazeit heissen ... Zum Glück ist Malaria eine Erkrankung, die wir schnell und effektiv behandeln können. Den schwer kranken Kindern, die zur Behandlung kommen, geht es meist schon nach ein bis zwei Tagen deutlich besser. Es ist Balsam für die Seele, wenn man sieht, wie schnell und unkompliziert wir manchen Menschen helfen können. Was allerdings die schwierigen Fälle angeht, ist praktisches medizinisches Können gefragt. Denn die diagnostischen Möglichkeiten sind –wenn auch für hiesige Standards grossartig – sehr limitiert im Vergleich zu dem, was ich bisher gewohnt war.

Kleine Dinge, grosse Bedeutung

Am meisten Spass macht mir die Arbeit mit den jungen Patientinnen und Patienten (die sich doch sehr von den erwachsenen Patienten in der Inneren Medizin unterscheiden). Und das tolle Team im Krankenhaus ist ungemein hilfsbereit, z. B. wenn man (mal wieder) etwas nachfragen muss. Auch ist es auf unserem wunderbaren Gelände nicht schwierig, sich wohlzufühlen: Abends findet sich immer jemand, mit dem man bei einem kühlen Feierabendgetränk über die Ereignisse des Tages sprechen kann. Oder man bringt noch Energie für etwas mehr Aktivität auf: Auf dem Volleyballfeld haben wir neulich beispielsweise ein Match mit internationaler Aufstellung organisiert: kongolesische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen mit Expats, also Fachkräften, aus verschiedenen Ländern. Und vor meiner Tür habe ich ein paar Samen – Salate und Kräuter –  in die Erde gepflanzt. Mal sehen wie sie hier wachsen werden.