Feldgruppe
Sich überlagernde globale Krisen: Ein Aufruf zu radikaler Inklusion, Gerechtigkeit und Innovation

Am härtesten trifft das Coronavirus benachteiligte Menschen. Immer extremere Wetterereignisse, Nahrungs- und Wassermangel werden die Folgeschäden von Covid-19 verstärken.

Covid-19, die Klimakrise und strukturelle Ungleichheit

Covid-19 betrifft nach wie vor Millionen Menschen und bringt Gesundheits- und Sozialdienste, die kontinuierliche humanitäre Hilfe und die Weltwirtschaft in Bedrängnis. An vielen Orten, an denen Ärzte ohne Grenzen tätig ist, wie z.B. im Jemen, zwingt Covid-19 die ohnehin angeschlagenen Gesundheitssysteme in die Knie. Zudem sehen wir überall, dass das Coronavirus marginalisierte und ausgegrenzte Menschen am härtesten trifft.

Gleichzeitig finden weltweit Proteste gegen systematischen Rassismus und Gewalt statt. Sie begannen am 26. Mai 2020 in den USA, nachdem George Floyd von der Polizei getötet worden war und stehen im Zusammenhang mit weiteren jüngeren Gewalttaten, als auch historisch struktureller Gewalt.

In den USA, wo Ärzte ohne Grenzen nun zum ersten Mal im Einsatz ist, sterben Schwarze und Hispanics/Latinos unverhältnismäßig häufig an Covid-19[1] und sind ohnehin bereits mit Benachteiligung im Gesundheitssystem konfrontiert.

Doch nicht nur das: Nach einem kürzlich erschienenen Bericht ist der Mai 2020 zusammen mit dem Mai 2016 der wärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen, und das Jahr 2020 ist auf dem besten Weg, eines der fünf wärmsten Jahre in der Geschichte der Menschheit zu werden.[2] Wärmere Temperaturen spielen eine Rolle bei Krankheitsausbrüchen, extremen Wetterereignissen, Nahrungs- und Wassermangel, Waldbränden u.a. und werden verstärkende Effekte auch auf Covid-19 haben.

Zwar gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Entstehung oder Übertragung des Coronavirus und dem Klimawandel[3], doch die Ausbreitung macht deutlich, wie der Klimawandel die gesundheitlichen Konsequenzen, insbesondere für bereits marginalisierte Bevölkerungsgruppen, weiter verstärkt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Covid-19 einen zoonotischen Ursprung hat[4]. Zoonose - die Übertragung von Krankheiten vom Tier auf den Menschen - ist heute die häufigste Ursache für die Entstehung neuer Infektionskrankheiten[5], und die Eingriffe des Menschen in die Natur spielen dabei eine Rolle.

Wir sind in die Tierwelt eingedrungen, haben Lebensräume abgeholzt und zerstört und illegal mit Tieren gehandelt, was zu einem Übergreifen von Krankheitserregern geführt hat. Veränderungen der Landschaft sind mit dem Auftreten und Wiederauftreten von Krankheiten verbunden. Auch der Rückgang der biologischen Vielfalt ist ein Risikomultiplikator für Infektionskrankheiten[6].

In diesem Blog werden Wirkungsmultiplikatoren und Lehren aus dem Covid-19-Ausbruch untersucht, einschließlich der raschen Anpassungen und Neuerungen von Ärzte ohne Grenzen. Dabei sollen strukturelle Ungleichheiten sowie der gemeinsame Bedarf an gleichermaßen zugänglicher und nachhaltiger Gesundheitsversorgung sowie humanitären Maßnahmen in den Blick genommen werden. 

"Covid-19 war kein unvorhersehbares Ereignis", sagte Aarathi Krishnan, Beraterin für humanitäre Zukunft und strategische Zukunftsplanung, kürzlich auf dem Panel der MSF Scientific Days UK zum Thema Stretching the Frontiers of Humanitarian Thinking. Wir wurden vorgewarnt.

Wenn Ebola der Vorbote von Covid-19 war, wovor warnt Covid-19 dann?

Wir wussten auch von den strukturellen, sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten, die bestimmte Menschen und Gruppen einem erhöhten Risiko von Gesundheitsproblemen aussetzen. Covid-19 ist eine weitere Offenlegung von institutionellem Rassismus. 

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Schutzausrüstung einer Helfer*in
Unsere Mitarbeiter*in mit Schutzausrüstung in São Paulo. Dort sind besonders Menschen betroffen, die unter struktureller Ungleichheit leiden.

Ärzte ohne Grenzen ist weltweit in etwa 70 Ländern gegen Covid-19 im Einsatz, zusätzlich zu den bestehenden Programmen. Wir stellen nicht nur Ungleichheiten zwischen den Ländern fest, sondern auch innerhalb der Länder, darunter auch in den reichsten Volkswirtschaften der Welt.

Rassismus geht oft mit wirtschaftlicher Ausbeutung und Ausgrenzung einher, was zu einer stärkeren Gefährdung durch Covid-19 (und vielen anderen Krankheiten) für benachteiligte Gruppen führt. 

Das Epizentrum der Pandemie liegt derzeit in Lateinamerika. In Brasilien sind die am stärksten betroffenen Menschen diejenigen, die mit enormen strukturellen Ungleichheiten konfrontiert sind, darunter auch Geflüchtete aus Venezuela. "Trotz seiner relativ kleinen Bevölkerung gehört der Bundesstaat Amazonas zu den Regionen mit der höchsten absoluten Zahl von Todesfällen durch das Coronavirus in Brasilien", so Ärzte ohne Grenzen Ende Mai 2020. Manaus, im Herzen des Amazonas, ist ebenfalls eine stark betroffene Region mit einer Rekordzahl von Bränden und einer beispiellosen Waldrodung.

Bangladeschs Megakatastrophe: Der Umgang mit Klimakrise und Covid-19-Pandemie gleichzeitig

Covid-19 macht die tiefen Ungleichheiten sichtbar, die die Reaktionsfähigkeit der Menschen auf Krisen stark beeinträchtigen - ganz gleich, ob es sich um einen Dengue-Ausbruch oder einen Zyklon handelt. Die Menschen in Bangladesch sind mit beidem konfrontiert. Finanzielle Unterstützung und stabile Gesundheitssysteme sind nicht die einzige Voraussetzung dafür, dass sich Gesellschaften erholen können (wie wir z.B. in Europa und Kanada sehen können). Die Folgen sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit sind unbestreitbar, und das gilt ganz besonders für Bangladesch.

Die Erfahrungen von Ärzte ohne Grenzen in Kamrangirchar deuten darauf hin, dass Bodenknappheit und die zunehmend schlechten landwirtschaftlichen Erträge die Haupttriebkräfte der Migration in dieses städtische Slumgebiet von Dhaka sind, wo die Lebensbedingungen der Menschen von starker Verschmutzung und gefährlichen Arbeitsbedingungen geprägt sind.

Die Luftverschmutzung, eine Hauptursache für nicht übertragbare Krankheiten, tötet weltweit schätzungsweise sieben Millionen Menschen pro Jahr; sie wird durch zunehmende CO²-Emissionen noch weiter verschlimmert.

Eine Harvard-Studie zeigt, dass die Covid-19-Sterblichkeit dort zunimmt, wo es mehr Kohlenstoffemissionen gibt[7]. Trotz einer momentan noch geringen Stichprobe weisen Daten zudem darauf hin, dass Menschen, die einer erhöhten Luftverschmutzung ausgesetzt sind, ein um 15 Prozent höheres Sterblichkeitsrisiko haben, und Afroamerikaner*innen und ärmere Gemeinden sind erhöhter Luftverschmutzung stärker ausgesetzt[8].

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Provisorische Hütten im Flüchtlingslager in Cox's Bazar
Auf engstem Raum leben geflüchtete Rohingya im Flüchtlingslager in Cox's Bazar.

Gleichzeitig beherbergt Bangladesch das größte Flüchtlingslager der Welt – Cox's Bazar. Geflüchtete Rohingya müssen dort in beengten, extrem prekären Unterkünften ausharren. Bis zu zehn Familienmitglieder sind in einem Raum untergebracht. Sie sind dort nicht nur anfällig für Infektionskrankheiten, sondern auch für die verheerenden Auswirkungen tropischer Wirbelstürme. Der jüngste dieser Stürme, Amphan[9], traf zwar nicht Cox's Bazar, führte aber dazu, dass Millionen Menschen von einer Evakuierung betroffen waren. Dies ist selbst dann schwierig, wenn Unterkünfte zur Verfügung stehen. Aber während einer Pandemie können die Unterkünfte nicht voll genutzt werden und bereits jetzt verfügt Cox's Bazar nicht über genügend Unterkünfte. Dadurch sind Geflüchtete und die lokale Bevölkerung einer doppelten Bedrohung ausgesetzt.

Festzusitzen und sich nicht frei bewegen zu können, ist für jeden Menschen schwierig. Für bestimmte Gruppen, wie Frauen in geschlossenen Unterkünften und Isolation kann es aber extrem gefährlich und sogar tödlich sein.

Es gibt Hinweise darauf, dass klimabedingte Krisen[10] und der aktuelle Ausbruch von Covid-19[11] zu mehr häuslicher oder partnerschaftlicher Gewalt führen.

Die Bewältigung von Pandemie und Klimakrise erfordert eine ganzheitliche Reaktion

Covid-19 ist noch lange nicht ausgestanden. Das Konzept einer Sicherung der globalen Gesundheit funktioniert nur, wenn wir dem Ausbruch in Bangladesch die gleiche Aufmerksamkeit widmen wie dem Ausbruch in Italien. Wir sollten uns fragen: Sicherheit für wen und wovor? Es ist äußerst beunruhigend zu sehen, dass die Reaktion vieler Staaten auf marginalisierte Gemeinschaften, die mit Covid-19-Infektionen zu kämpfen haben, in unrechtmäßiger kollektiver Isolation besteht. Das zerstört das Vertrauen und den Zugang zu Gesundheitsdiensten und gefährdet letztlich eine wirksame Bekämpfung. Die Sicherung der globalen Gesundheit bedeutet nicht Gesundheit für wenige Privilegierte und geschlossene Grenzen für alle anderen. Wir haben es bei Ebola gesehen und müssen daraus lernen. Wohlhabende Nationen finanzieren und priorisieren das, was sie bedroht, weshalb plötzlich viel passiert, was noch vor wenigen Monaten unmöglich schien: Vor allem reiche Nationen reduzieren mit hoher Geschwindigkeit unseren ökologischen Fußabdruck - eine riesige Herausforderung; sie ziehen alle Register, um in Rekordzeit einen Impfstoff zu entwickeln - undenkbar, wenn es um Krankheiten geht, die marginalisierte gesellschaftliche Gruppen betreffen, wie bei multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB). Ein weiteres Beispiel dafür, warum wir nicht über Covid-19 oder die Klimakrise sprechen können, ohne uns mit der strukturellen Ungleichheit auseinanderzusetzen, die allem zugrunde liegt und letztlich unsere Reaktion beeinflusst. Die Sicherung der globalen Gesundheit muss Gesundheit um der Gesundheit willen bedeuten, für alle. Ohne Ausnahmen.

Es kann nicht weiterhin "wir gegen die" heißen - die Bewältigung einer Pandemie und der Klimakrise erfordert eine ganzheitliche Reaktion, einen Ansatz, der mehrere Gefahrenlagen umfasst und alle einbezieht.

Das bedeutet auch, dass wir den betroffenen Gruppen und lokalen Akteur*innen zuhören müssen, Vertrauen aufbauen und zusammenarbeiten müssen, insbesondere vor dem Hintergrund von Fehlinformationen, Angst und Rassismus. Wir müssen auch die Dringlichkeit der Eindämmung von Klimaauswirkungen und des Abbaus von strukturellem Rassismus in unserer Arbeit zum Ausdruck bringen.

Über einen vorübergehenden "Waffenstillstand", die Widerstandsfähigkeit der Natur und unsere Anpassungsfähigkeit

Die Grenzschließungen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie und die weltweiten Lockdowns haben sich nachteilig auf viele Menschen und unsere Arbeit ausgewirkt. Ärzte ohne Grenzen und andere hatten Mühe, genügend Schutzausrüstung für medizinisches Personal und Patient*innen zur Verfügung zu stellen. Wir hatten mit Versorgungsengpässen und Reisebeschränkungen zu kämpfen, arbeiteten aber auch zusammen und fanden Lösungswege. Inmitten dieser Situation haben wir uns angepasst und vielen Menschen in Not geholfen.

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Screening in Rio de Janeiro
Screening in Rio de Janeiro mit geschützten Mitarbeiter*innen. Gerade am Anfang der Pandemie nicht selbstverständlich.

Eine zerstörerische Pandemie, insbesondere für die ärmsten und am stärksten ausgegrenzten Menschen, ist der denkbar schlechteste Weg, um die Reduzierung von Kohlenstoffemissionen zu erzwingen. Trotz der verheerenden Auswirkungen zeigen Studien eine vorübergehende, aber auch signifikante Verringerung der Luftverschmutzung und der Treibhausgase[12] sowie die positiven gesundheitlichen Auswirkungen und die vermiedenen Todesfälle im Zusammenhang mit der verbesserten Luftqualität.[13]

Die Reiseverbote brachten vieles zum Erliegen, verschafften uns aber auch einen vorübergehenden "Waffenstillstand" in Bezug auf schädliche Kohlenstoffemissionen und zeigten uns die Widerstandsfähigkeit der Natur, sowie unsere eigene Anpassungsfähigkeit.

Aber ohne rasches Eingreifen werden die globalen CO²-Konzentrationen weiter ansteigen und damit die gesundheitlichen und humanitären Notlagen weiter verschlimmern.

Bei Ärzte ohne Grenzen gibt es bereits Verpflichtungen auf Verbands- und auf operativer Ebene sowie Ad-hoc-Maßnahmen zur Verringerung unserer Umweltbelastung. Und nun zwingt uns Covid-19 dazu, uns auf die Umgestaltungen und Veränderungen einzulassen, die wir anstrebten, aber bisher nicht so zügig umsetzen konnten.  Wie können wir die Lehren aus der massiven Störung unserer Arbeitsweise festhalten und nutzen? Wir haben uns weitgehend darauf eingestellt, auf nicht zwingend notwendige Reisen zu verzichten und stattdessen vor allem virtuelle Plattformen zu nutzen. Covid-19 zeigt auch, dass wir uns mit den Ungerechtigkeiten beim Zugang zum Internet und bei der Arbeit von zu Hause oder unterwegs beschäftigen müssen. Internetzugang und sozialer Schutz sind für die Bewältigung und Erholung notwendig, insbesondere für ausgegrenzte, vertriebene oder staatenlose Menschen, die einem erheblichen zusätzlichen Risiko ausgesetzt sind.

Covid-19 zeigte auch den massiven Strombedarf für die medizinische Arbeit in Pandemien und im Allgemeinen auf - für autonome, erschwingliche, zugängliche Energie für Beatmungsgeräte die Sauerstoffversorgung, Klimaanlagen für Apotheken, Krankenhäuser und Kliniken, die Kühlkette und hoffentlich für einen baldigen Impfstoff.

Ärzte ohne Grenzen macht Fortschritte bei der Verringerung der negativen Auswirkungen auf die Umwelt und bei der Steigerung der Kosteneffizienz durch die verstärkte Nutzung von Solarenergie und erneuerbaren Energien, die Reduzierung der Luftfracht, Studien zur Reiseeffizienz sowie die verstärkte Messung und Verringerung von negativen Einflüssen. Alle Bemühungen konzentrieren sich zu Recht auf die Eindämmung des Ausbruchs und unseren Einsatz gegen Covid-19 und den erhöhten humanitären Bedarf.  

Wir legen jedoch bisher wenig bis gar keinen Fokus auf die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Produktherstellung und des Abfallaufkommens aufgrund der Pandemie.

Lasst uns diese Bemühungen um die Verringerung unserer negativen Auswirkungen und die Einbeziehung der Nachhaltigkeit in unsere Arbeit als inhärenter Bestandteil einer planeten- und patient*innenfreundlicheren sowie klimaresistenteren humanitären Hilfe ausbauen. Es gibt keinen Impfstoff gegen die Klimakrise.

"Do no harm", Chancengleichheit, Diversität und Teilhabe ist bei Ärzte ohne Grenzen kein Bonus, sondern notwendig, um unseren medizinischen Auftrag und unsere Fürsorgepflicht gegenüber unseren Patient*innen und Mitarbeiter*innen sowie als globale Organisation zu erfüllen. Diese sich überlagernden Krisen geben Raum, sich ernsthaft mit den internen Prozessen, Organisations- und Arbeitsstrukturen zu beschäftigen, die eine der kolonialen und unterdrückenden Wurzeln in der humanitären Hilfe aufrechterhalten.

Der Weg in die Zukunft

Je genauer wir hinsehen, desto klarer wird, dass all dies wie eine russische Matroschka-Puppe der Krisen wirkt, was durchaus überwältigend sein kann. Aber das Zusammentreffen bzw. die Überschneidungen von Covid-19 und der Klimakrise zeigen trotz ihrer zerstörerischen Kräfte auch gemeinsame Lösungen für uns als Organisation und die Welt auf. Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass das Gesundheitswesen und die humanitären Systeme in Bezug auf Widerstandsfähigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Anpassungsfähigkeit, Eindämmung und Führungsstärke besser vorbereitet, inklusiver und belastbarer sind.

Die Pandemie hat uns auch gezeigt, dass wir seit unseren Anfängen Querdenker*innen und Macher*innen sind und dass wir schnell innovativ handeln - Lösungen orientieren sich an den kritischen Punkten, die wir nicht erreichen können, der Stärke von unabhängigen lokalen Aktivitäten und der Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und am noch größeren Potenzial der Telemedizin.

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Mann wäscht Hände an Handwaschstation
In Nairobi haben wir provisorische Handwaschstationen aufgebaut.

Zusätzlich zu unserer Arbeit, deren Grundlage der Glaube an Gleichberechtigung und Gesundheitsversorgung für alle ist, müssen wir uns aktiv gegen Rassismus und Ausgrenzung einsetzen, um Covid-19 und andere gesundheitliche Ausgrenzungen zu bekämpfen und sicherstellen, dass wir bei unseren Einsätzen keine Umweltverschmutzung verursachen und keinen Schaden anrichten.

Ärzte ohne Grenzen setzt sich für die Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung und für grundlegende Gesundheitsversorgung für alle ein, für die Inklusion von Geflüchteten und Migrant*innen ins öffentliche Gesundheitswesen, für die Achtung des Völkerrechts sowie den gleichberechtigten und bezahlbaren Zugang zu Impfstoffen und Diagnosemitteln. Wir sprechen auch verstärkt intern und extern über umfassendere Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die durch Covid-19 und die Klimakrise nur noch verschärft wurden, und es wäre noch wirksamer, dies mit einer einheitlichen Stimme zu kommunizieren.

Wir müssen den Worten Taten folgen lassen und sicherstellen, dass wir nicht zu Verbündeten auf dem Papier werden - das bedeutet auch, dass die privilegierten unter uns über persönliche Voreingenommenheit nachdenken müssen, und darüber, wie wir sie konkret bekämpfen können.

Wir sind Teil eines zutiefst ungleichen Systems, und es liegt in unserer Verantwortung, an einer Veränderung mitzuwirken. Das bedeutet, dass diejenigen unter uns, so wie wir als Autor*innen, ihre eigenen (weißen, westlichen) Privilegien und Vorurteile, die zu der Ungleichheit beitragen, hinterfragen müssen.

Ganz gleich, für wie weltoffen oder tolerant wir uns halten: Tatsache ist, dass wir alle Vorurteile und Voreingenommenheit in uns tragen, ob wir das nun hören wollen oder nicht - und diese unsere Arbeit und unsere Arbeitsweisen beeinflussen. Wir müssen radikal inklusiv sein und anders arbeiten. Wir müssen auf dem aufbauen, was gut funktioniert, auf fast fünf Jahrzehnten ständiger Anpassung und guter Arbeit und uns gleichzeitig dringend dort verändern, wo es nicht gut funktioniert.


Quellen

[1]https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/need-extra-precautions/racial-ethnic-minorities.html

[2]https://www.noaa.gov/news/may-2020-tied-for-hottest-on-record-for-globe#:~:text=After%20registering%20unusually%20high%20temperatures,National%20Centers%20for%20Environmental%20Information

[3]https://www.who.int/news-room/q-a-detail/q-a-on-climate-change-and-covid-19

[4]https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/situation-reports/20200423-sitrep-94-covid-19.pdf?sfvrsn=b8304bf0_4#:~:text=All%20available%20evidence%20for%20COVID,be%20handled%20by%20humans

[5]https://www.cdc.gov/onehealth/basics/zoonotic-diseases.html

[6]https://www.who.int/globalchange/publications/phe-pr.pdf?ua=1 https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2018/02/WGIIAR5-Chap19_FINAL.pdf

[7]https://www.hsph.harvard.edu/news/hsph-in-the-news/air-pollution-linked-with-higher-covid-19-death-rates/

[8]https://www.unenvironment.org/news-and-stories/story/air-pollution-hurts-poorest-most

[9]https://www.bbc.com/news/world-asia-52734259

[10]https://unfccc.int/news/climate-change-increases-the-risk-of-violence-against-women

[11]http://www.manusherjonno.org/wp-content/uploads/2020/03/Final%20Report%20of%20Telephone%20Survey%20on%20VAW%20May%202020%20-%209%20June.pdf

[12]https://www.nature.com/articles/s41558-020-0797-x 

[13] https://www.thedailystar.net/opinion/politics-climate-change/news/covid-19-and-climate-change-1885357