Feldgruppe
”Wo Leben ist, ist immer auch Hoffnung”

Laila Schmidt ist aus ihrem Einsatz im Jemen zurück: Sie hat etwas dort gelassen und sehr viel mitgebracht ... 

Mehrere Fahrzeuge auf einer Straße von Marib, Jemen

Durch den verzögerten Transit war meine Zeit in Marib doch recht kurz, aber dennoch nicht weniger intensiv. 

Seit fünf Wochen bin ich nun zurück und wieder mittendrin im hiesigen Alltag und Arbeitsleben. Manch einer fragt sich vermutlich, ob es den Aufwand wert war, in den Jemen zu fahren, wenn ich vor Ort doch nicht lange sein konnte. Kann man da etwas bewirken? 

Meine Antwort darauf ist: Ja! 

Für mich war die Zeit in Marib sehr bereichernd – vor allem durch den täglichen fachlichen, aber auch persönlichen Austausch mit meinem jemenitischen Kollegen Dr. Najeeb Dobhani. Auch hat es Spaß gemacht, mit ihm zusammen die Arbeit der Mitarbeiter*innen in der Pflege autarker zu machen. Und was ich so höre, hat es sich auch für das Projekt gelohnt. 

Die Anästhesistin, die mich ersetzt hat, berichtete, dass die Schwestern und Pfleger jetzt tatsächlich selbstständig Änderungen an der Beatmungsmaschine vornehmen, wenn dies notwendig sein sollte. (Was meine Aufgaben in Marib waren, könnt ihr in meinen vorherigen Blogbeiträgen nachlesen.) Wörtlich sagte sie mir: „Laila, du hast ihnen die Angst vor der Maschine genommen.“  Das ist wunderbar und gibt mir sehr viel.

Ich freue mich, dass ich etwas dort lassen konnte. Wenn es auch nur ein kleines Rädchen ist, das ich in Bewegung gesetzt habe, bewirkt es doch positive Veränderung.  

Da ist mehr Hoffnung in der Welt als wir meinen 

Was mir nachhaltig geblieben ist und auch noch jetzt nachklingt, wo ich wieder zurück bin, ist, wie oft die Dinge doch gut ausgehen, obgleich es zunächst nicht so wirkt. Ich habe im Jemen viele Fälle von Schwerstverletzten gesehen. Und in „meiner Welt“ der Medizin habe ich gelernt, dass die Chancen auf Heilung und Überleben in diesen Fällen nicht sehr gut stehen.  

Dort in Marib sagte Dr. Najeeb: „Wo Leben ist, da ist immer auch Hoffnung. 

Und nicht nur einmal hat er Recht behalten; empfand es aber auch selbst zuweilen als Wunder.  

Nun frage ich mich im Nachhinein, ob ich nicht in den letzten 18 Jahren seit ich als Anästhesistin arbeite, die Hoffnung oft frühzeitig aufgegeben habe. Nicht, dass ich nicht trotzdem alles für „meine“ Patient*innen getan habe, aber manchmal eben ohne den Glauben daran, dass es gut auskäme.  

Und ausgerechnet inmitten einer der schlimmsten Krisen weltweit, treffe ich auf einen Kollegen, der die Hoffnung nicht aufgibt. Vielmehr noch, mich lehrt, wieder an das Leben mit all seiner Kraft zu glauben. Das ist für mich das Beste an diesem vergangenen Einsatz.