Feldgruppe
Schlamm und Matsch

Nach ihren Einsätzen u.a. im Südsudan und auf dem Mittelmeer hat unsere Krankenschwester Heidi Anguria ihre erste große Aufgabe im Megacamp in Cox’s Bazar bewältigt: eine Cholera-Impfkampagne für 900.000 Rohyngia, die hier Zuflucht gesucht haben. Gerade rechtzeitig, denn nun hat die Regenzeit eingesetzt ...

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„Eid Mubarak“ – das ist der Gruß zum Ende des Ramadans. Ihr müsst euch das Ganze ein bisschen wie Weihnachten bei uns vorstellen: Wer Geld hat, kauft sich neue Kleidung, die Familien werden besucht, auch weiter entfernt lebende Verwandte. Besondere Speisen werden gekocht, Süßigkeiten verteilt und Kinder beschenkt. Man besucht Friedhöfe, um der Gestorbenen zu gedenken und natürlich wird gebetet. Alles in allem herrscht eine besondere Stimmung. 
 

Mit dem Ende des Ramadans kommt die Regenzeit

Seit einer Woche ist es soweit: Der Monsun hat angefangen! Die gefragtesten Accessoires sind jetzt Gummistiefel und Regenschirme. Die ganze Situation hat sich verändert: Wir leiden nicht mehr unter sengender Hitze, sondern unter Wassermassen. Es hat mehrere Tage ununterbrochen geregnet. Bei uns im Wohnhaus bedeutet das lediglich, dass unsere Wäsche nicht mehr trocknet und tagelang in den Räumen hängt. Also: Slips und Socken über dem Esstisch …
Die Folgen im Camp sind wesentlich schlimmer: An einem einzigen Tag gab es 60 Vorfälle, 21 davon Erdrutsche. Behausungen wurden durch Regen und starken Wind zerstört, ebenso Latrinen. Straßen sind zum Teil nicht passierbar. Menschen wurden unter herabstürzenden Schlammmassen begraben. Es gab Verletzte und auch Tote. Alle versuchen jetzt, die Schäden wieder zu beheben, neue Hütten zu bauen bzw. die Menschen umzusiedeln. Auch ist jetzt schon klar, dass Ernten in Gefahr sind.
 
Auch meine Teams und ich sind von den Veränderungen durch die Regenzeit betroffen. Ich hatte euch ja berichtet, dass wir jetzt mit dem Routine-Impfprogram in festen Stationen und mit mobilen Teams angefangen haben. Bei starkem Regen ist es den Menschen aber nicht möglich die Gesundheitsstationen zu erreichen und es ist auch für uns schwieriger sie aufzusuchen. Denn auch wir müssen unsere Arbeit immer wieder unterbrechen. Doch trotz aller Widrigkeiten: Meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geben täglich ihr Bestes.

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Die WatSans: „Wir lieben Schlamm und Matsch!“

Diese Woche möchte ich Euch die Arbeit der sogenannten WatSans ein bisschen näherbringen. Das sind diejenigen, die sich um alles rund um die Bereiche Wasser und Hygiene kümmern. Diese Leute sind natürlich immer wichtig, aber jetzt haben sie noch mehr zu tun. Doch wie sie selbst immer sagen: „Wir lieben Wasser und Schlamm!“ Und so sehen sie denn auch jeden Abend aus. Ihre T-Shirts werden nie ganz sauber.
 
Zu ihren Aufgaben gehört es, Wasserpumpen zu bauen, für die ca. 150 Meter tief gebohrt wird. Es dauert etwa zwei Wochen bis eine Pumpe fertig ist. Sie achten auf die Chlorierung des Wassers und müssen Fällen nachgehen, in denen Krankheiten durch unreines Wasser entstehen. Sie bauen und reparieren Latrinen, Handwaschstellen und Duschen. Sie treten aber auch mit den Menschen im Lager in Kontakt, um sie über Hygiene aufzuklären und so ein verändertes, verbessertes Verhalten zu erreichen. Ich finde dies auch einen sehr spannenden Beruf … Aber auch in meiner Rolle habe ich gut zu tun.