Feldgruppe
Eine Mammut-Aufgabe nimmt Gestalt an

Nach Jahren im Südsudan und einem intensiven Einsatz auf dem Mittelmeer ist Heidi Anguria nun in Bangladesch. Im Megacamp in Cox’s Bazar, das Zufluchtsort für Hundertausende Rohingya wurde, erwarten die erfahrene Krankenschwester neue Menschen, besondere Erlebnisse und grosse Herausforderungen ...  

Und schon sitze ich wieder bei einer leckeren Minzlimonade und schreibe euch – mein Wochenendritual! Durch die viele Arbeit vergeht eine Woche hier sehr schnell. Abends bin ich oft richtig müde, was neben der Arbeit an der grossen Hitze und dem vielen Laufen im Camp liegt.

Dennoch: Ich freue mich jeden Morgen auf mein Team, weil alle so reizend sind. Ich versuche verzweifelt, auch die letzten Namen endlich in meinen Kopf zu bekommen und ein bisschen Bengalisch zu lernen … Noch ist es aber leider SEHR begrenzt.

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Green lemonade

Wir versuchen weiterhin die verbleibenden Diphtherie-Kontaktfälle zu finden und zu impfen. Ich bin damit beschäftigt, die Kühlketten der Impfstoffe zu überprüfen und zu kontrollieren, dass die verschiedenen Impfstoffe in den fünf Gesundheitsposten und den beiden Kliniken richtig verabreicht werden. Auch schaue ich, dass alles richtig gezählt und anschliessend am Computer eingegeben wird. Zudem verlangt der monatliche medizinische Bericht meinen Input sowie vieles mehr.

Cholera-Impfung für nahezu eine Million Menschen

Die grösste jemals durchgeführte Cholera-Impfkampagne mit insgesamt 985.000 zu impfenden Menschen wird bald anfangen. Es bedarf einer unglaublichen Logistik, um alles zu planen und für die Umsetzung genügend Mitarbeiter zu haben. Die Leitung liegt in den Händen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Gesundheitsministeriums unter Mithilfe vieler weiterer Organisationen.

Wir übernehmen dabei den grössten Teil der Mobilisierung. Denn zuerst müssen die Menschen natürlich darüber Bescheid wissen, warum und gegen was sie geimpft werden sollen. Auch der Ablauf muss erklärt werden, also wer wann wo sein muss. Dann werden unsere Outreach Worker jeden Tag von Haus zu Haus unterwegs sein, um die Menschen zu begleiten und abzusichern, dass sie auch wirklich zu den Impfstationen kommen.

Ich werde wie alle Supervisoren jeden Tag in den Camps unterwegs sein, um die Arbeit der Impfteams zu überwachen und alle möglichen Probleme aus der Welt zu schaffen. Ich bin sehr gespannt auf das Ganze und hoffe, dass wir alle zusammen erfolgreich sein werden.

Vom Regen in die Traufe

Mittlerweile hat es auch schon etwas angefangen zu regnen und es gab tatsächlich schon ein erstes Abrutschen von höher gelegenen Hütten. Dabei gab es bereits die ersten Verletzten! Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn die Regenzeit richtig im Gange ist.

Und leider gab es diese Woche noch weitere unerfreuliche Nachrichten: In einem Projekt im Südsudan, in dem ich letztes Jahr kurz im August gearbeitet habe und in dem jetzt ein Freund von mir ist, gab es einen Überfall. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Natürlich gibt es keine völlige Sicherheit, auch nicht für humanitäre Helfer oder medizinische Einrichtungen, aber, meiner Meinung nach, darf das kein Grund sein, unsere Arbeit nicht zu tun.

In der Hoffnung, dass es nächste Woche Besseres zu berichten gibt, schliesse ich für heute und wünsche euch allen ein schönes Wochenende – meins ist ja schon fast vorbei ...