Feldgruppe
„Jeder Geimpfte ist einer weniger, der erkranken wird!“

Unsere erfahrene Krankenschwester Heidi Anguria ist nach Einsätzen u.a. im Südsudan und auf dem Mittelmeer nun in Bangladesch. Im Megacamp in Cox’s Bazar, Zufluchtsort für Hundertausende Rohingya, erwartet sie eine große Aufgabe ...

Heidi and Alnoman

Unsere erfahrene Krankenschwester Heidi Anguria ist nach Einsätzen u.a. im Südsudan und auf dem Mittelmeer nun in Bangladesch. Im Megacamp in Cox’s Bazar, Zufluchtsort für Hundertausende Rohingya, erwartet sie eine große Aufgabe ...

Ich weiß nicht, wie ich die vergangene Woche beschreiben kann, aber ich will es versuchen: Für mich ist die laufende Impfkampagne wie das Salz in der Suppe: So intensiv, so heiß, so arbeitsreich, so voll an Begegnungen und Erlebnissen….

Zum besseren Verständnis: Das Ziel ist es, 985.000 Menschen gegen Cholera zu impfen … in sieben Tagen! Dazu stehen 170 Impfteams zur Verfügung mit 800 Mitarbeitern. Hunderte Outreach Worker arbeiten gleichzeitig daran, die Menschen für die Impfung zu mobilisieren. Das Gute ist, dass der Impfstoff geschluckt wird. Das macht es natürlich viel schneller.

Organisatorische Höchstleistungen sind gefragt

Das gesamte Lager ist in 25 „Gebiete“ unterteilt und wir arbeiten uns von Süden nach Norden vor. Trotz aller Anstrengungen erreichen wir nicht alle Menschen und müssen deshalb mit kleineren Teams nacharbeiten.

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View of the kutupalong refugee camp
The camp

Die Logistik beginnt schon früh am Morgen: Um 6:45 Uhr bin ich beim Gesundheitsministerium, das den Impfstoff ausgibt und an zentrale Verteilungsstellen schickt. Man kann bis zu 700 Dosen in einer Box transportieren. Ich nehme die Container für meine Teams direkt von hier mit. Dann geht es zu dem Gebiet, in dem wir am jeweiligen Tag eingeteilt sind.

Ich bin für vier mobile Teams zuständig. Das heißt: Wir sind den ganzen Tag in Bewegung. Wir starten an einem vorgegebenen Punkt. Danach suchen wir zum Beispiel nach Schulen, Stellen an denen Nahrungsmittel ausgegeben werden (dort befinden sich sehr viele Menschen), Moscheen, Gesundheitsstationen und so weiter. Oder wir gehen von Haus zu Haus, was natürlich viel zeitaufwendiger ist.

Jedes meiner Teams besteht aus fünf Personen. Wenn nötig, teilen sie sich auf, um mehr Gebiete zu erreichen. Sie sind inzwischen sehr gut darin, die richtigen Ecken zu finden. Und sie haben sich regelrecht hineingesteigert, die besten Zahlen zu erreichen.

Bergauf? Bergab? – Auf jeden Fall in Bewegung bleiben!

Nachdem ich morgens meine Teams auf den Weg geschickt habe, gehe ich mit Al Noman, meiner rechten Hand, auch los. Wir laufen den ganzen Tag von einem Team zum nächsten, bergauf, bergab in einer Hitze, an die man sich nicht gewöhnen kann. Da hilft nur: trinken, trinken, trinken … und immer weiterlaufen!

Unersetzlich: Mitarbeiter, auf die man sich verlassen kann!

Wir helfen mit, wenn der Andrang zu groß ist. Wir machen hunderte Anrufe am Tag, um mit allen Teams in Verbindung zu bleiben, sorgen für Nachschub, falls der Impfstoff zur Neige geht, halten Kontakt mit der Weltgesundheitsorganisation und lösen einfach alle Probleme, die an solchen Tagen auftreten können. Es bleibt keine Zeit zum Essen. Also gibt es eben Nüsse oder Gurken, die wir schnell auf einem der vielen kleinen Märkten kaufen. Am Ende eines Tages haben wir dann noch eine Besprechung, um den vergangenen Tag zu evaluieren und den nächsten zu planen.

Wenn ich dann nach Hause komme, bin ich müde, aber auch glücklich: Zum einen sind alle meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz toll und es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten. Zum anderen gehört Impfen zu den wenigen Tätigkeiten, bei der ich genau weiß, was wir erreicht haben am Ende des Tages – und jeder Geimpfte ist einer weniger, der erkranken wird!