Feldgruppe
Veränderungen

Meine Abreise naht,  so vieles hat sich in den letzten Wochen verändert, noch mehr ist zu tun, denn die Menschen kommen von ihren Feldern zurück. Ich versuche, für die medizinischen Probleme eine Lösung zu finden und die anderen Mitarbeiter so gut es geht auszubilden.

Meine Abreise naht,  so vieles hat sich in den letzten Wochen verändert, noch mehr ist zu tun, denn die Menschen kommen von ihren Feldern zurück. Ich versuche, für die medizinischen Probleme eine Lösung zu finden und die anderen Mitarbeiter so gut es geht auszubilden. Schließlich werden sie die Arbeit hier fortführen, wenn Ärzte ohne Grenzen eines Tages das Projekt verlassen wird.  Zeit für Reflektionen über die letzten neun Monate im Tschad bleibt meistens nur in den letzten Minuten vorm Einschlafen.

Der kleine Mustafa und sein Vater, copyright: Kanya Gewalt

Der kleine Mustafa und sein Vater, copyright: Kanya Gewalt

Ich bin froh, dass sich in den letzten wenigen Wochen vor meiner Abreise so viel in diesem Projekt entwickelt. Warum das so ist, kann ich gar nicht genau sagen, aber sicher sind es viele Faktoren.

Zum einen gab es einen einschneidenden Personalwechsel, da innerhalb von zwei Monaten drei Pflegekräfte das Projekt verlassen haben, dafür zwei neue und eine Hebamme zum Projekt hinzukamen. Dann ist unsere Geburtenrate zu meiner besonderen Freude um ein Vielfaches gestiegen und zusammen mit den neuen Pflegekräften, die hochmotiviert hier ankamen, konnten wir einige Umstrukturierungen vor allem der stationären Patienten vornehmen, die die Qualität der Patientenversorgung erheblich steigern werden. Dazu haben auch neue Materialien beigetragen, die endlich aus der Landeshauptstadt eingetroffen sind. Ein weiterer großer Schritt ist damit nun möglich.

 Bluttransfusionen können wir beispielsweise nun hier selbst vornehmen ohne schwerkranke Patienten auf die beschwerliche Reise ins Referenzkrankenhaus schicken zu müssen. Erst gestern hatte ich wieder Gelegenheit, diese neue Möglichkeit nutzen. Ein siebenjähriges Mädchen kam völlig geschwächt und fast bewusstlos mit erheblicher Blutarmut in Folge einer Komplikation der Malariaerkrankung zu uns, und hätte ohne Transfusion den nächsten Tag vielleicht nicht überlebt. Heute lächelt sie mich an und gibt mir die Hand.

Auch das wegen vieler anderen Prioritäten liegengebliebene Projekt  die Kinderstation für mangelernährte Kinder freundlicher zu gestalte, schreitet endlich  voran, und die Kinder sind nicht mehr von den tristen braungrauen Wänden umgeben.

Das vielleicht Wichtigste bei all den Veränderungen, die dieses Projekt gerade erfährt, bleibt für mich wohl doch Mustafa. Es war ein stiller Wunsch von mir, vor meiner Abreise aus dem Projekt Mustafa zu sehen, wie er auf eigenen Beinen die Klinik verlässt. Letzte Woche ist genau das eingetroffen und es war einer der berührendsten Momente meiner Zeit hier, als ich diesen Jungen mit schüchternem aber glücklichem Lächeln, mit einem Stock als Gehhilfe, laufen sah.

Bin ich froh, in zwei Wochen schon abzureisen? Neun Monate waren eine lange Zeit und es gab viele Momente, in denen ich diese am liebsten vorgedreht hätte.  Aber wenn die Kinder auf der Straße mich von weitem sehen und meinen Namen rufen und wenn ich in motivierte Gesichter der nationalen Mitarbeiter bei der Visite sehe,  bin ich gar nicht so enthusiastisch, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Wenngleich ich mich doch schon auf das versprochene Sushi-Essen mit meiner Schwester freue.