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Souvenirs Geschichte - Wie ernährt man ein Kind ohne Mutter?

Wie ernährt man ein Kind, dass keine Mutter mehr hat? Für die meisten von uns ist die Antwort nicht schwierig: Muttermilchersatz. Wenn ich hier diese Frage stelle, wird der Ausdruck der Leute ernst und pessimistisch: "Unmöglich".

Wie ernährt man ein Kind, dass keine Mutter mehr hat? Für die meisten von uns ist die Antwort nicht schwierig: Muttermilchersatz. Wenn ich hier diese Frage stelle, wird der Ausdruck der Leute ernst und pessimistisch: "Unmöglich".
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Ich begann, diese Frage zu stellen, nachdem ich Souvenir kennengelernt hatte, ein pausbäckiges fröhliches Baby von vier Monaten. Sein Papa brachte ihn ins Krankenhaus, um Hilfe beim Füttern zu bekommen. Souvenirs Mutter war kurz nach der Geburt gestorben. Normalerweise helfen in solchen Situationen Frauen der Familie oder der Gemeinde, das mutterlose Baby zu stillen. In diesem Fall aber war niemand da, um zu helfen. Kein Geld, keine Familie, keine Unterstützung.

Muttermilchersatz: Gibt es auf dem Markt nicht. Baby-Fläschchen: Unmöglich, sie zu finden. Zugang zu sauberem Trinkwasser: Begrenzt. Verständnis für die Wichtigkeit von Trinkwassersauberkeit: Begrenzt. Auch kulturell ist es nicht akzeptiert, Babies mit Fläschchen zu füttern. Wohl wissend, dass all das gegen die Situation spricht, war ich entschlossen, dem Baby zu helfen.

Ich kramte das letzte Babyfläschchen aus unserem medizinischen Depot hervor. Ich wusch und sterilisierte es. Ich nahm das Baby auf der Station auf, um dem Vater beizubringen, es zu füttern. Muttermilchersatz, Wassersauberkeit und Versorgung eines Säuglings. Jeden Tag verbrachte ich Zeit mit dem Vater, brachte ihm bei, auf Souvenir aufzupassen. Einfaches Erinnern: Nach dem Füttern das Fläschchen waschen. Das Fläschchen sauber halten. Oft füttern. Frische Milch. Schmusen …

Ich machte einen Plastikeimer ausfindig und half dem Papa, ihn zu baden. Alle Frauen im Krankenhaus schauten zu ... lachend. Ich weiß nicht, was sie daran erheiterte: Dass ich ein Baby wusch oder dass der Vater das Baby wusch. Vielleicht war es auch die Kombination von beidem.

Nach einer Woche nahm Souvenir die Nahrung gut an, der Vater schien die Grundlagen der Hygiene verstanden zu haben und kümmerte sich um das Kind. Der Vater bat darum, aus dem Krankenhaus entlassen zu werden, denn er musste auf die Felder, um die Pflanzsaison vorzubereiten. Wir kamen überein, dass er einmal in der Woche zurück zum Krankenhaus kommen sollte, zur Kontrolle und um neuen Muttermilchersatz verschrieben zu bekommen.

In den ersten zwei Wochen verlief die ambulante Versorgung gut. Souvenir nahm an Gewicht zu. Die Frauen im Krankenhaus hießen den Vater immer willkommen und kümmerten sich für einige Stunden um Souvenir, während der Vater die Milch besorgte. Im Krankenhaus hatte er eine Gemeinschaft gefunden, die ihn unterstützte.

Am dritten Freitag hatte Souvenir Durchfall. Er sah stark dehydriert und müde aus. Wir nahmen die beiden erneut in der Station auf. Das Fläschchen sah nicht sauber aus, und der Vater wirkte desinteressiert und unengagiert. Wir begannen mit dem Unterricht wieder von vorne, begannen mit einer Behandlung für das Baby und unterstützten beide weiter.

Eines Tages kam ich in den Raum, Souvenir war alleine in seinem Bett - auf ganzer Länge lag er im Durchfall und schrie. Vom Vater keine Spur. Ich war wütend. Wie konnte er nur sein krankes Baby unbeaufsichtigt lassen? Ich sammelte einen Eimer ein, Wasser, Seife und ein frisches Tuch. Ich badete Souvenir noch einmal. Ich bereitete die Milch zu, wusch das Fläschchen. Ich fütterte ihn und knuddelte so lange mit ihm, bis er eingeschlafen war. Ich fand mich in einer Situation, in der ich ein schlafendes Baby herumtrug, während ich versuchte, den Rest meiner Arbeit zu schaukeln. Glücklicherweise war Souvenir froh, gehalten zu werden und schlief in meinen Armen, während ich mit meiner Arbeit weitermachte.

Schließlich kam der Vater zurück, und ich musste ihm erklären, dass es wichtig ist, das Baby nicht unbeobachtet zurückzulassen.

Tag für Tag zeigte ich dem Vater wieder, wie man das Fläschchen sauber macht, dass man regelmäßig füttern und ihm gegen die Austrocknung Flüssigkeit geben muss, dass man ihn badet. Trotz all unserer Bemühungen besserte sich der Zustand von Souvenir nicht. Sein Durchfall wurde schlimmer, er verlor weiterhin Gewicht, er litt Tag und Nacht unter Fieber. Wir begannen mit intravenöser Flüssigkeitszufuhr gegen die Austrocknung. Mit dem Ernährungsteam machten wir einen strengen Plan, um ihn zu füttern. Ich hielt das Team dazu an, immer präsent zu sein, wenn er gefüttert wurde, auch nachts das Baby zur Fütterung zu wecken und den Papa zu unterstützen. Es war ganz wichtig, dass der Vater die Schwere der Krankheit seines Kindes verstand und mit Verantwortung übernahm.

Ich nahm das Fläschchen mit nach hause und sterilisierte es mehrmals am Tag. Das ganze medizinische Team war an den Fütterzeiten einbezogen und ermutigte den Papa. Souvenir war immer hungrig. Für jede Fütterung musste die Milch frisch zubereitet werden. Es gibt hier keinen Kühlschrank, um sie frisch zu halten. Das Team arbeitete zusammen, arbeitete wirklich hart, alles nahm viel Zeit in Anspruch und war eine Herausforderung.

Hygiene ist hier eine der größten Hindernisse. Wir leben und arbeiten in einer Welt ohne richtige Latrinen oder Müllentsorgung, keine Windeln für Babies, keine Begrenzungen für Vieh, keine Schuhe, unbehandeltes Trinkwasser, kein fließendes Wasser, beengte Wohnverhältnisse, schmutzige Böden, Lehmhütten ... die Bakterien können sich endlos ausbreiten.

Während ich Zeit damit verbracht habe, Baby-Fläschchen zu sterilisieren und Ersatzmilch vorzubereiten wurde mir überdeutlich klar, welche immense Bedeutung es hier für Kinder hat, dass sie natürliche Muttermilch erhalten - nicht nur wegen ihrer Ernährung sondern um das Immunsystem zu stimulieren. Ohne das ... vielleicht ist es wirklich "unmöglich", ohne Mutter ein Baby zu ernähren.

Trotz all unserer Bemühungen schlief Souvenir eines nachts ein und wachte nicht mehr auf. Mir brach es das Herz und gleichzeitig war ich wütend. Wie kann das passieren? Wir haben uns so bemüht, den Papa zu unterstützen und ihn dazu zu bringen, Verantwortung für sein Baby zu übernehmen. Aber es ist uns nicht gelungen. Wir konnten Souvenir nicht gerecht werden, zuviel arbeitete gegen ihn und seine Chance zu überleben. Leider ist Souvenirs Geschichte hier kein Einzelfall. Deswegen sind wird hier, um eine Gemeinde zu unterstützen, die damit kämpft, die grundlegendsten Dinge des Lebens wie sauberes Essen und Wasser bereitzustellen. Der Kampf geht weiter...