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Meine Nische in diesem Teil der Welt finden

In den ersten Nächten krabbelte ich unter mein Moskitonetz auf die super durchgelegene Matratze und lag wach. Erschöpft, aber schlaflos. Immer wieder fragte ich mich: „Wo bin ich hier nur gelandet? Wie kam ich hierher? Warum bin ich hier? Was mache ich hier?

In den ersten Nächten krabbelte ich unter mein Moskitonetz auf die super durchgelegene Matratze und lag wach. Erschöpft, aber schlaflos. Immer wieder fragte ich mich: „Wo bin ich hier nur gelandet? Wie kam ich hierher? Warum bin ich hier? Was mache ich hier? Bin ich wirklich so verrückt?“ Ich war umgeben von neuen Geräuschen und Gerüchen. Hunde bellten, Menschen trommelten und sangen, Hähne, Vogelstimmen, Krähen, noch mehr Hunde, noch mehr Getrommel. Schlief hier eigentlich auch mal jemand?

Unser Wohnhaus

Unser Wohnhaus

Nach ein paar Tagen ließen meine anfänglichen Ängste nach. Jetzt bin ich seit zwei Wochen in Boguila. Ich kann nachts schlafen und habe mir glücklicherweise eine Routine geschaffen. Ich habe mich auf meiner durchgelegenen Matratze eingerichtet und begreife langsam die Aufgaben, die vor mir liegen.

Herauszufinden, was ich den Tag über zu tun hatte, dauerte nicht allzu lange. Ob ich dabei effizient bin, ist allerdings eine andere Frage. Ein Krankenhaus zu managen, mitten in Afrika, ist keine leichte Sache und es gibt jede Menge zu tun.

Kurzer historischer Rückblick: Das Krankenhaus in Boguila wurde von amerikanischen Missionaren in den 1960er Jahren gebaut und betrieben. Sie bildeten lokale Mitarbeiter aus und betreuten das Hospital, bis die Sicherheitslage zu gefährlich und unsicher wurde. Die Missionare verließen das Land Mitte der 1990er Jahre. Einige Jahre später, 2006, kam Ärzte ohne Grenzen, um die Menschen nahe Boguila medizinisch zu versorgen. Sie litten unter der instabilen Regierung, der Unsicherheit und der fehlenden Gesundheitsversorgung. Seit drei Jahren arbeitet Ärzte ohne Grenzen hier mit einem Team von nationalen Kollegen. Sie wurden von Ärzte ohne Grenzen angestellt, um kostenlos alle Menschen medizinisch zu versorgen, die in Not sind. Und die Not ist groß.

Das Krankenhaus besteht aus zahlreichen einfachen Gebäuden aus Ziegelstein mit Wellblechdächern. In jedem Gebäude ist eine andere Abteilung untergebracht. Ambulante Hilfe. TB/HIV. Müttergesundheit. Stationäre Versorgung (Kinderabteilung, Unterernährung, Innere Medizin). Notfallchirurgie. Apotheke. Verwaltung. Alle Gebäude werden von Wächtern bewacht. Alle liegen etwa 50 Meter voneinander entfernt. Es gibt auch zwei Strohhütten (mit Grasdächern, ohne Wände), wo Besprechungen oder Fortbildungen stattfinden.

Ich bin dafür verantwortlich, dass die stationäre Abteilung, die Versorgung der Mütter und das Programm für die Unterernährten läuft. Noch weiß ich nicht ganz genau, was das bedeutet... oder wie ich das machen soll. Aber ich bin hier und ich lerne! Das medizinische Team besteht aus nationalen Kollegen: 14 Pflegekräfte, 25 Sanitäter (ohne formale Ausbildung, Training vor Ort), drei Hebammen und drei traditionelle Geburtshelferinnen. Zum Team der internationalen Mitarbeiter gehören ein Projektkoordinator, ein Logistiker, ein Arzt (ein weiterer kommt nächsten Monat), zwei Pflegekräfte, ein Psychologe. Mit all diesen Menschen arbeite und lebe ich jeden Tag!

Jeden Morgen gehe ich durch das Eingangstor des Krankenhauses und frage mich, was mich wohl auf der anderen Seite erwarten wird. Eines ist sicher: Es gibt viele Menschen, die Hilfe brauchen. Kranke. Mütter. Väter. Kinder. Babys. Die Menschen kommen zu unserem Krankenhaus, weil es keine andere medizinische Einrichtung in der Nähe gibt. Einige kommen von sehr weit her, um hier Hilfe zu suchen. Sie sind oft erschöpft und sehr krank, wenn sie das Krankenhaus erreichen. Bild: Sie sind so krank, dass sie wissen, sie müssen ins Krankenhaus. Dann laufen sie bis zu 100 Kilometer, um hierher zu kommen. Viele von uns würden das nicht schaffen. Aber die Menschen hier sind stark. Und normalerweise schaffen sie es rechtzeitig, wenn auch manchmal nur knapp.

Unsere Möglichkeiten im Krankenhaus sind begrenzt, aber gleichzeitig auch erstaunlich. Wir behandeln normalerweise Malaria, Infektionen des Brustkorbs, Blutarmut, Unterernährung, TB, HIV und HIV-Begleiterkrankungen, Hautinfektionen und viele andere tropische Krankheiten. Bislang habe ich noch nicht viel klinisch gearbeitet, weil ich erst einmal versucht habe, den administrativen Teil meiner Arbeit in den Griff zu bekommen. Ich freue mich darauf, mehr Zeit im Hospital zu verbringen, mit den Pflegekräften und den Hebammen zu arbeiten.

Eines Abends verbrachte ich einige Stunden im Krankenhaus. Der Bereitschaftsarzt musste sich um drei Patienten kümmern, die gleichzeitig aufgenommen wurden. Also nutzte ich die Gelegenheit, mir anzusehen, wie das Hospital nachts funktioniert.

Ein Baby mit hohem Fieber und Fieberkrämpfen, Malaria? Ein Mann mit Beinschmerzen, der seit Monaten eine Kugel im Oberschenkel hat, Infektion? Und ein junges Mädchen mit extremer Bauchwassersucht und Ödemen am ganzen Körper, Nierenleiden? Ich ging mit dem Baby in die Notaufnahme. Zuerst war es schwer, ihm eine Infusion anzulegen, um es mit Flüssigkeit und Antibiotika zu versorgen. Dann bemühten wir uns, eine Magensonde durch die Nase zu führen, um dem Baby so fiebersenkende Medikamente zu verabreichen. Gleichzeitig mussten wir es beruhigen, damit es nicht so zappelte. Nichts war einfach. Alle Materialien waren in Schränken verschlossen, um sie vor Diebstahl zu schützen. Nichts war in Reichweite und das Personal schien keinen Sinn für Notfälle zu haben. In meinem Kopf dachte ich nur: schnell, schnell, schnell... aber ich wusste nicht, wo was lag oder in welchem Schrank es verschlossen war. Ich fühlte mich, als würde ich ständig im Kreis laufen. Nach einer Weile hatten wir alles, was wir brauchten, nachdem ich mit dem Arzt extra in die Apotheke gegangen war, um die notwendigen Materialien aus einer Liste auszutragen. Das Baby bekam die Medikamente, die Antibiotika und dann brachten wir es in den Intensivpflegeraum für die Nacht. Macht euch kein falsches Bild, wenn ich von einem Intensivpflegeraum spreche. Es ist ein normaler Raum, ohne Sauerstoff, ohne Monitore, es gibt dort nichts, außer Metallbetten und Moskitonetze. Er sieht genauso aus wie alle anderen Räume. Paradoxerweise liegt dieser Raum am weitesten von dem Raum der Pflegekräfte entfernt. Mir ist noch nicht ganz klar, warum es Intensivpflege heißt.

Das war nur ein Patient. Es gibt noch viele andere, die am Haupteingang warten.