Feldgruppe
Erste Tage des Wahnsinns

Nicht viele Menschen können sagen: „Ich bin in der Mitte Afrikas.“ Ich aber kann mit Fug und Recht sagen: „Ich bin in der Mitte Afrikas“! In der Zentralafrikanischen Republik. Ja, das ist tatsächlich ein Land. Und ja, es ist genau in der Mitte des afrikanischen Kontinents.

Nicht viele Menschen können sagen: „Ich bin in der Mitte Afrikas.“ Ich aber kann mit Fug und Recht sagen: „Ich bin in der Mitte Afrikas“! In der Zentralafrikanischen Republik. Ja, das ist tatsächlich ein Land. Und ja, es ist genau in der Mitte des afrikanischen Kontinents. Sehr origineller Name!

Ich muss gestehen: Als ich die Stellenanzeige für ein Projekt von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik erhielt, holte ich schnell eine Landkarte raus, um das Land zu suchen. Die Zentralafrikanische Republik ist ein großes, relativ unbewohntes Land, das kaum beachtet wird. Da dort bereits seit vielen Jahren ein bewaffneter Konflikt herrscht und die politische Lage unsicher ist, war die Zentralafrikanische Republik nicht in der Lage, die Bevölkerung mit einer angemessenen Infrastruktur oder Gesundheitsversorgung zu versorgen. Anders als die Nachbarländer (Sudan, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Kamerun) erhält die Zentralafrikanische Republik kaum internationale Aufmerksamkeit. Trotzdem sind die Bedürfnisse der Menschen groß. Deshalb ist Ärzte ohne Grenzen hier: Um die in Vergessenheit geratenen Menschen in der Zentralafrikanischen Republik mit medizinischer Hilfe zu versorgen. Deshalb bin auch ich hier.

Anfang Dezember 2009 verabschiedete ich mich von meinem Leben in Vancouver, ließ die Bequemlichkeit, die Routine, meinen Job, meine Freunde, meine Familie und meine Lieben zurück. Ich packte sorgfältig meine Sachen, sagte allen auf Wiedersehen und stürzte mich dann ins Unbekannte. Ein bisschen ängstlich war ich schon... Ich habe mich oft gefragt, auf was ich mich da eingelassen habe. Aber die Dinge waren in Bewegung geraten und nichts stoppte sie. Ich bewegte mich nach vorn, in Richtung Zentralafrikanische Republik. Aus der Kälte und Nässe in die Hitze und Trockenheit. Nach zahlreichen, ermüdenden Zwischenstopps und Transfers in Europa kam ich in Bangui an, der Hauptstadt. Dort bestieg ich ein kleines Flugzeug mit 14 Sitzen und wir flogen gen Norden über eine riesige, fast unbewohnte Landschaft. Ich glitt in den Schlaf und wurde erst wachgerüttelt, als das Flugzeug ganz dicht über die Landebahn flog, um sicherzustellen, dass sie geräumt war, es keine Hindernisse gab, keine Tiere, keine Menschen. Dann endlich Landung in Boguila! Das ist mein neues Zuhause und mein neuer Arbeitsplatz für die nächsten acht Monate. Puhhh!

Als ich aus dem Flugzeug stieg, wurde mir schnell klar, dass die Landung des Fliegers ein Event in der Stadt war. Die Landebahn war voller Menschen, Kinder rannten herum und es gab überall leuchtende Farben. Es war heiß, es war trocken, die Morgensonne bereits heiß und intensiv ... die Trockenzeit in vollem Gange!

Ich war müde und orientierungslos, aber es gab keine Zeit zum Ausruhen. Ich traf eine Menge Leute ... stellte meine Reisetasche ab ... und los ging´s zur Arbeit! Ich machte einen Rundgang über das Krankenhausgelände und traf das restliche Team von Ärzte ohne Grenzen. Die Menschen kommen und gehen hier so oft, dass jeder nur Hallo sagte und dann weiterarbeitete. Meine Ankunft war offenbar nur für mich eine große Sache. Mein Kopf drehte sich.

Die  Krankenschwester, die ich ablösen sollte, zeigte mir alles. Der Umfang der Arbeit war enorm und die Liste der zu erledigenden Aufgaben schien unmöglich lang. Aber ich folgte ihr einfach, lächelte, schüttelte Hände und versuchte, meinen panischen Blick unter Kontrolle zu halten. Dann endlich ging der Tag zu Ende, und ich hatte ihn überlebt. Ich war weit mehr als nur erschöpft!

Erstes Ziel: Heil in Boguila ankommen.
Erstes Ziel: Erreicht.