Feldgruppe
Ein Tag

Meine Tage sind voll. Meine Tage sind sehr hektisch. Meine Tage sind heiß. Und alle meine Tage fangen früh an. Ausschlafen ist nicht möglich: Entweder heulen die Hunde nebenan oder die Hähne begrüßen den Tag oder die Frauen singen. Also stehe ich auf.

Meine Tage sind voll. Meine Tage sind sehr hektisch. Meine Tage sind heiß. Und alle meine Tage fangen früh an. Ausschlafen ist nicht möglich: Entweder heulen die Hunde nebenan oder die Hähne begrüßen den Tag oder die Frauen singen. Also stehe ich auf. Ich krabbele aus dem Krater meiner durchgelegenen Matratze, schlüpfe unter dem Moskitonetz durch und in meine Latschen rein.

Ich renne. Die Landepiste aus roter Erde ist morgens friedlich... die ganzen wunderbaren 900 Meter lang. Ich beobachte die Frauen an der dörflichen Wasserpumpe, ich sehe, wie die Männer auf die Felder gehen und wie die riesige orangefarbene Kugel im Osten aufgeht. Auf und ab, auf und ab, auf und ab...

Der Tag im Krankenhaus beginnt um sieben Uhr morgens. Ich laufe die 200 Meter dorthin zu Fuß, was zwei Minuten dauert. Oft werde ich von ein Paar Kühen, Hühnern, Ziegen, einigen Kindern und einer Hündin mit ihren zwei Welpen begleitet. Die ersten fünf Minuten eines jeden Tages verbringe ich damit, alle Kollegen zu begrüßen und ihre Hände zu schütteln. Dabei versuche ich verzweifelt, mich an all ihre Namen zu erinnern.

Nach dem Frühstück schaue ich mir an, wie viel Personal wir in den nächsten 24 Stunden zur Verfügung haben. Oft muss ich Vertretungen finden. Also schicke ich die Wachen ins Dorf, damit sie für mich jemanden suchen, der die Vertretung machen kann. Wenn ich gut drauf bin, kriege ich die Wegbeschreibung selbst. Dann gehe ich selbst auf Personalsuche. In Boguila gibt es ein ziemlich verwirrendes Geflecht von Feldwegen. Es gibt keine Telefone, keine Straßen, keine Schilder. Die Wegbeschreibungen, die ich erhalte, hören sich oft folgendermaßen an: „Siehst du den großen Mangobaum da drüben. Geh den Weg runter, bieg rechts am Baum ab, nimm den linken Pfad und dann siehst du irgendwann ihr Haus.“ Ich finde es unglaublich aufregend, mit so vagen Beschreibungen tatsächlich das Haus zu finden, das ich suche.

Zurück im Büro. Ich drehe morgens mit dem Team eine Runde durch den Ernährungsraum, um alle unterernährten Kinder zu sehen. Es ist im Moment Erntezeit, daher gibt es glücklicherweise nur wenige Patienten. Wir überprüfen täglich, ob sie zu- oder abgenommen haben. Und wir stellen sicher, dass die Mütter richtig darüber informiert sind, wie wichtig es ist, ihre Kinder oft genug zu füttern und das Essen nicht für sich selbst zu behalten. Wir passen die Nahrungsrationen an den gesundheitlichen Fortschritt der Kinder an.

Oft werde ich über Funk weggerufen, um Nahrungsmittelrationen zu verschreiben (wir haben Rationen des Welternährungsprogramms hier), um die Patienten zu füttern und die Familien mit Nahrungsmitteln zu versorgen. So kriegen beispielsweise Patienten, die aus dem Ernährungsprogramm entlassen werden, Nahrungsrationen für die ganze Familie und für das Kind. Und zwar für einen ganzen Monat, nachdem das Kind sein optimales Gewicht erreicht hat.

Ich helfe gern aus, wo immer ich kann. So war es in letzter Zeit auf der Mütterstation ziemlich hektisch. Ich bleibe dann in der Nähe um auszuhelfen. Auf der stationären Abteilung gibt es oft Patientinnen, die eingeliefert werden und dringend behandelt werden müssen. Es ist interessant zu sehen, wie die Kollegen dort arbeiten.
Ich bin gerade in der Phase der Datensammlung, ich lerne und versuche verzweifelt zu verstehen, wie dieses Chaos funktioniert.

Zwischendrin gehe ich immer wieder ins Büro zurück und bin beschäfigt damit, die Datenanalyse zu verstehen, Berichte zu schreiben, Pläne anzupassen, mich auf bevorstehende Bewerbungsgespräche vorzubereiten. Ich verbringe Zeit in Besprechungen mit Fachleitern, anderen internationalen Mitarbeitern, Pflegekräften, Sanitätern, Hebammen, Apothekern, Logistikern... die Liste ist lang. Die Arbeitstage sind voll... egal, ob ich meinen Tag damit verbringe, Personal aufzutreiben, den Medikamentenschrank aufzuräumen oder Daten zu analysieren.

Ständig gibt es Probleme, die gelöst werden wollen. Sobald ich eines geknackt habe, tauchen drei andere auf. Am Ende des Tages, wann immer das auch ist, fühle ich mich heiß, verschwitzt, erschöpft. Ich glaube, meine Tage könnten als ständiges Multitasking beschrieben werden.

Ich schätze es sehr, dass das Essen für uns gekocht wird und sich jemand um meine Wäsche kümmert. Am Ende des Tages ziehe ich gern meine Schuhe aus, nehme eine Dusche unter dem nächtlichen Sternenhimmel, esse ein bisschen und krabbele dann wieder in den Krater meiner durchgelegenen Matratze, um zu schlafen.