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28.11.07 Wie abgrundtief traurig ein solches Schicksal ist

Liebe Freunde,

das wars. Gerade habe ich meinen Monatsbericht für November ausgedruckt; meine letzte offizielle Handlung, bevor ich Mt Elgon verlasse.

Liebe Freunde,

das wars. Gerade habe ich meinen Monatsbericht für November ausgedruckt; meine letzte offizielle Handlung, bevor ich Mt Elgon verlasse.

Gestern hatte ich einen ungewöhnlichen Auftrag: ich transportierte eine Tote. Eine Patientin, die wir zu einer Operation in eine drei Fahrstunden entfernte Klinik gebracht hatten, war verstorben. Jemand musste sie abholen und die Leiche an die völlig mittellosen Verwandten übergeben; wie es sich ergab, waren dies einer unserer Fahrer und ich. In einem Projekt wie diesem ist das üblich: wer Zeit und Kraft hat, springt ein, auch wenn die Tätigkeit nicht in der Stellenausschreibung steht. Die Tote war eine junge Frau, Ende zwanzig: ein Opfer von AIDS, verstorben an einer Infektion im Anschluss an eine an für sich simple Operation. Ich kannte sie nicht; wie ich erfuhr, hatte sie erst vor einem halben Jahr ein Kind zur Welt gebracht. Um das kümmert sich jetzt die Urgroßmutter. Mehr Einzelheiten wollte ich gar nicht wissen. Mit Christopher, dem Fahrer, scherzte ich über unsere neue Karierre als Bestattungsunternehmer und versuchte beiseite zu schieben, wie abgrundtief traurig ein solches Schicksal ist.

Am Abend - vorweggenommener Abschied - trinken wir zusammen ein paar Flaschen Wein, die ich aus Kitale mitgebracht habe, und wir plaudern. Doris, eine der Krankenschwestern, fragt mich, was die beste Erfahrung dieser zwei Monate gewesen sei. Die Seminare, sage ich, waren die größte Herausforderung. Die beste Erfahrung kann ich nicht benennen - es war das Gesamtpaket: zu erleben, dem hier gewachsen und daran gewachsen zu sein.

Es ist üblich in Kenia, zu jedem Anlass feierliche Reden zu halten. Die meisten Menschen haben keine Schwierigkeiten damit, öffentlich das Wort zu ergreifen. Der doppelte Abschied - gleichzeitig mit mir geht auch der Projektleiter - inspiriert viele Mitarbeiter zu überaus freundlichen Worten des Dankes und der Ermutigung, die sie uns auf den Weg mitgeben. Dennoch: dass ich gehe, nach nur zwei Monaten, wird niemandem das Herz brechen.

Viele Grüße
Markus