Feldgruppe
27.03.09 Ein brennender Magen

Dennis ist heute wach und sitzt aufrecht.

Dennis ist heute wach und sitzt aufrecht. Gogo ist glücklich mich zu sehen, während Dennis die Augen nicht von dem Notizbuch und Stift lassen kann, die ich ihm zusammen mit etwas Kreide mitgebracht habe. Ich habe erst später verstanden, warum das so wichtig für ihn ist.

Juliette, die Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen, ist auch hier. Sie ist die Schwester, die Du Dir wünschst, wenn Du krank bist. Sie hat gütige Augen, ein schönes Gesicht und lächelt stets. Dennis geht es heute deutlich besser. Sein Körper war ziemlich ausgetrocknet, als er hier ankam, und er wurde an einen Tropf gelegt. Juliette hofft, diesen später stoppen zu können. „Endlich trinkt er das ORS“, sagt Juliette mit einem Lächeln.

Dennis ist klein für seine zehn Jahre. Jetzt aber ist er so schmal, dass er sogar jünger wirkt. Er ist ruhig und freundlich. Ich frage, wie es sich anfühlt, Cholera zu haben. „Ich hatte ein Brennen in meinem Bauch“, sagt er und reibt sich in Erinnerung den Bauch. Er denkt einen Moment nach und sagt dann, dass es nicht daran lag, dass er etwas Falsches gegessen sondern dass er im matschigen Regenwasser gespielt hat. Ich bin über sein Wahrnehmungsvermögen überrascht und denke, dass er Recht hat – das Abwasser fließt offen durch die Nachbarschaft und Regenwasser ist ein idealer Verbreiter von Bakterien. „Wenn ich zurückgehe, werde ich den anderen Kindern sagen, dass sie nicht im Müll wühlen sollen“, sagt Dennis ruhig.

Dennis erzählt mir, dass er Arzt werden möchte, wenn er groß ist, um seiner Mutter helfen zu können, wenn sie krank wird. Seine Mutter hat ihn ins Krankenhaus gebracht. Obwohl sie gerade entbunden hat, hat sie Dennis den ganzen Weg getragen. Sie haben kein Geld für den Transport.

Ich frage ihn, was er sich wünschen würde, wenn er einen Wunsch frei hätte. Er schaut auf seine schmalen Hände und flüstert: „Ich möchte zur Schule gehen.“ Als Juliette ihn weiterfragt, sagt er, dass er nicht zur Schule gehen kann, da er keine Bücher, Hefte und Stifte hat.

Ich verabschiede mich und hoffe, dass Dennis schnell wieder gesund wird. Ich werde ihn vielleicht nächste Woche in seiner Wohnung in Mbare besuchen, vorausgesetzt er ist dann schon zuhause. Erst einmal drehe ich mich um, falte meine Hände nach simbabwischer Art und Weise und sage: „Danke Gogo. Danke Dennis.“ Beide fangen an zu lachen und geben den Dank an mich zurück.