Feldgruppe
26.03.09 Das Cholera-Kind

Meine heutige Aufgabe ist es, ein Cholera-Kind zu finden – das heißt ein Kind, das älter als fünf Jahre ist, Cholera hat und dessen Vormund es mir erlaubt, mit dem Kind über die Cholera in Simbabwe zu sprechen.

Meine heutige Aufgabe ist es, ein Cholera-Kind zu finden – das heißt ein Kind, das älter als fünf Jahre ist, Cholera hat und dessen Vormund es mir erlaubt, mit dem Kind über die Cholera in Simbabwe zu sprechen.

Da es im ganzen Land Hunderte von Cholerafällen gibt, mag diese Aufgabe einfach erscheinen – es gab bereits mehr als 93.000 Fälle seit die Epidemie ausgebrochen ist. Juliette, die als Oberschwester von Ärzte ohne Grenzen im Cholerabehandlungszentrum in Harare arbeitet, sagt tatsächlich direkt auf meine Anfrage, dass vor zwei Tagen ein zehnjähriger Junge eingeliefert wurde, den ich mit Zustimmung des Vormundes sehen kann.

Juliette wendet sich Dennis zu, als ich ankomme. Der Junge weigert sich, die Augen zu öffnen. Seine Großmutter, eine attraktive, ältere Dame mit Kruzifix, rüttelt sanft an seiner Schulter. „Er tut nur so“, sagt sie mit einem Lächeln. „Er glaubt, dass ihr ihm ORS (orales Rehydrationssalz, das zur Genesung eingesetzt wird) zum Trinken geben wollt.“ Gogo (so werden Großmütter im simbabwischen Dialekt genannt) versucht erneut, Dennis aufzuwecken. Ich bin aber mit Juliette übereingekommen, dass wir morgen wieder kommen.

Bevor ich gehe, unterhalte ich mich mit Juliettes Hilfe ein wenig mit Gogo. Gogo lebt in Mbare. Das ist eine der ärmsten und am meisten bevölkerten Gegenden der Hauptstadt Harare. Es ist schmutzig und staubig, der Busbahnhof ist dort und auch der Großmarkt für Obst und Gemüse. Es gibt einige überfüllte dreistöckige und verfallene Gebäude, die unser Experte für Wasser und Sanitär bereits als absolut unhygienisch eingestuft hat. Ich habe Geschichten von geplatzten Abflussrohren in den Wohnungen gehört, und von komplett verseuchten Toiletten.

Gogo, 69, lebt mit ihren zwei verbleibenden Kindern und neun Enkelkindern in einer kleinen Wohnung mit zwei Zimmern. Ich stolpere über das Wort „verbleibend“ und wende mich an Juliette. „Wie viele Kinder hatte sie?“, frage ich. Gogo beantwortet die Frage sehr nüchtern. „Sie hatte insgesamt neun Kinder, von denen zwei noch am Leben sind,“ übersetzt Juliette. Ich frage sie nach ihren Lebensbedingungen. Gogo erklärt, dass sie auf die monatliche Unterstützung von Catholic Relief angewiesen sind, die ihnen Grundnahrungsmittel geben, da in dem Haus niemand Geld verdient.

Gogos Tochter – Dennis Mutter – hat vor zwei Wochen ein weiteres Kind zur Welt gebracht. Deswegen kümmert sich Gogo um Dennis. Seine Mutter ist noch zuhause und versorgt das Baby. Ich bedanke mich bei Gogo für das Gespräch. Sie lächelt, und neigt gütig ihren Kopf – Danke!