Feldgruppe
25.02.09 In guten Händen

Wieder im Auto starre ich aus dem Festern und denke über die Situation nach. Ich frage Precious, ob sie – wie so viele Simbabwer – darüber nachdenkt, das Land zu verlassen. „Nein“, sagt sie und schüttelt den Kopf. „Manchmal geht es nicht um dich.

Wieder im Auto starre ich aus dem Festern und denke über die Situation nach. Ich frage Precious, ob sie – wie so viele Simbabwer – darüber nachdenkt, das Land zu verlassen. „Nein“, sagt sie und schüttelt den Kopf. „Manchmal geht es nicht um dich. Es geht um andere Menschen, um verletzlichere Menschen. Du musst an diese anderen Menschen denken.“

Wir erreichen eine andere Gegend von Mabvuku, in der 160 Haushalte seit mehr als einem Jahr weder Wasser noch Elektrizität haben. Schlimmer ist aber noch, dass nicht nur ihre Toiletten nicht gehen, sondern die Kanalisation blockiert ist und Abwasser bis in ihre Häuser steht. „Die Frau, die hier lebt“, sagt Precious und zeigt auf ein Haus zu ihrer Rechten, „kam in der letzten Woche vor Verzweiflung weinend zu mir weil in allen Räumen ihres Hauses Abwasser stand. Sie hatte nichts, um vernünftig sauberzumachen und ihr Haus zu desinfizieren nachdem sie den Dreck grob weggemacht hatte.“

„Es ist die Gnade Gottes, dass ihr uns gefunden habt und wir nicht alle an Cholera gestorben sind”, sagt Moses, 45, einer der hier in der Gegend wohnt. Er hat Sandsäcke benutzt, damit sich die Abwasserleitungen nicht in sein Haus entleeren.

Precious und ich machen uns wieder auf den Weg und fahren zu einer benachbarten Siedlung mit Namen Caledonia Farm. Sie liegt so nah bei Harare und ist doch eine komplett ländliche Siedlung, mit staubigen Sandstraßen, Kornfeldern, Sonnenblumen, die aus tiefem Grün hervorlächeln. Die Menschen wurden hier gewissermaßen abgeladen, nachdem die Regierung 2005 in einer Aktion, die vorgab, in überbevölkerten Siedlungen aufzuräumen, mehr als 700.000 Häuser zerstörte.

Hardwork Malifande, einer der Bewohner führt uns herum. Er ist Lehrer, doch seit die Regierung nur noch Gehälter zahlt, von denen man nicht leben kann, unterrichtet er nicht mehr in der Schule. Er versucht, sich mit Privatstunden über Wasser zu halten.

Hardwork geht zu einem der Häuser, in denen Ärzte ohne Grenzen eine der 200 Latrinen für die Gemeinde gebaut hat. Regina ist sehr stolz auf ihre frisch lackierte Holzlatrine und lächelt breit. „Wie viele Familien benutzen diese Latrine?“, frage ich sie. Sie rechnet langsam und antwortet: „Fünf Familien.“ Fünf Familien! Ich denke daran, wie schon mein Freund und ich über den Gebrauch unserer Toilette diskutieren. Ich kann mir nicht vorstellen, wie dies bei fünf Familien ist!

Aber Regina ist sehr zufrieden, auch wenn sie die Latrine sauber halten muss, da sie am dichtesten dran wohnt. „Ich bin sehr glücklich“, sagt sie. „Früher musste ich immer weit zur Toilette laufen. Nun ist es einfacher, alles liegt in meinen Händen.“

Hardwork nimmt uns mit zu einem anderen Haus, in dem ein älterer Mann und seine Frau sich um die neu gebaute Latrine kümmern. Der Mann hat kurz geschnittenes gräulich-weißes Haar und knorrige Hände. Er spricht kein Englisch, scheint mir aber dringend etwas mitteilen zu wollen. Doch er ist schüchtern und verlegen. Schließlich, als wir dabei sind wieder aufzubrechen, schaut er mir in die Augen und sagt stockend: „Danke.“