Feldgruppe
23.11.07 Ergebnisse sind selten so eindeutig wie bei den Körpermedizinern

Liebe Freunde,

Liebe Freunde,

Time to say goodby. Elvis, der mir von allen Menschen hier am nächsten gewesen ist, geht in den längst verdienten Urlaub. Er war einer der Männer der ersten Stunde (seit April), gehörte zu denen, die das Projekt aufgebaut haben: Tag für Tag irgendwo in den Bergen den Jeep aus dem Morast zogen und zur Belohnung auf eisigen Höhen im Zelt schlafen durften. Wie hat er ohne Pause sieben Monate durchgehalten, ohne seine meist gute Laune und seinen Humor zu verlieren? Ein besonderer Mensch, und einer, der an allen Ecken fehlen wird, nicht nur im Bereich mental health.

Was hat mein eigenes Hiersein gebracht? Schwer zu sagen, da sich vieles erst in Zukunft herausstellen wird, wenn ich längst fort bin. Nach den beiden Seminaren sagten viele Teilnehmer in der Abschlussrunde, dass sie in Zukunft anders - zugewandter, geduldiger - mit ihren Patienten umgehen werden. Messen lässt sich das kaum. Klar ist immerhin, dass unsere eigenen Medizinmänner und -frauen jetzt öfter daran denken, Patienten mit "unklarem Ganzkörperschmerz" und ähnlichem zu uns in die Beratung zu schicken. Da zeigt sich die Auswirkung meiner Vorträge und Gespräche mit dem Team ziemlich unmittelbar. Elvis und Evans sagen, sie hätten aus unseren Fallbesprechungen gelernt; natürlich wäre es unhöflich, etwas anderes zu behaupten, aber vielleicht stimmt es ja sogar. Sehr wichtig: es ist uns gelungen, die einzige Fachkraft vor Ort, einen Psychiatriepfleger im hiesigen Krankenhaus, mit in unser Boot zu holen, genau genommen, in unsere Jeeps: er fährt jetzt bei Bedarf mit uns auf die Dörfer, um sich Patienten anzusehen, die außer Gesprächen auch Medikamente (Psychopharmaka) brauchen. Vielleicht konnte ich auch ein paar unserer Mitarbeiter helfen, mit der Situation hier am Mount Elgon, wo täglich Menschen getötet werden, besser zurechtzukommen.

Mit Ungewißheit muss der mental health specialist leben. So schön die Datenbanken auch sind, die man anlegt: in mental health sind die Ergebnisse selten so eindeutig wie bei den Körpermedizinern, die am Ende der Woche auf siebenundvierzig erfolgreich behandelte Atemwegsinfekte und achtundsiebzig Masernimpfungen stolz sein können.

Viele Grüße
Markus