Feldgruppe
22.10.07, Ein Ort der Zuflucht

Liebe Freunde,

Liebe Freunde,

ich sitze, in eine Decke gehüllt, in meinem neuen Zelt, einer robusten Konstruktion in Olivgrün. Es steht im Garten und bietet ungefähr neun Quadratmeter Platz; in der Mitte kann man sogar aufrecht stehen! Außer meiner Matratze gibt es einen Plastikstuhl und einen Plastiktisch, im Vergleich zu dem Wohnzimmerzelt der ersten beiden Wochen der reine Luxus. Meine Lichtquellen bei Nacht sind eine Taschenlampe und die Stirnlampe, die ich zum Lesen benutze und auch jetzt, da ich zum Tippen beide Hände benötige.

Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet. Am Anfang kommt kein Mensch, aber dann wagen sie sich allmählich hervor, die, die geblieben sind, kommen in die medizinische Sprechstunde und auch in unsere Therapiegruppe: acht Frauen kommen, sieben davon regelmäßige Teilnehmerinnen. Eine berichtet, wie man ihre Hütte abgebrannt habe (mehrere hundert sollen gebrannt haben), sie lebe jetzt bei ihrer Nachbarin. Eine war mit ihren Kindern zwei Tage lang zwischen den unklaren Fronten umhergeirrt, hatte im Freien geschlafen. Essen wird knapp, es gibt nicht mal mehr Seife, die Frauen fühlen sich unsauber und schämen sich, so in die Gruppe zu kommen. Aber sie kommen doch, tauschen sich aus, machen sich Mut; ein paarmal wird sogar gelacht in einer Art Galgenhumor.

Wir, die Helfer, sind ein bisschen stolz, dass die Gruppe immer noch ein Ort der Zuflucht ist, selbst unter diesen extremen Bedingungen. Gleichzeitig fühlen wir uns erbärmlich hilflos. Wir können die Frauen nicht schützen, können ihnen kein Obdach bieten.

Viele Gruesse

Markus