Feldgruppe
20.02.09 Rettungslinien

Mittlerweile ist es recht sonnig. Es dauert eine Weile bis wir unser nächstes Ziel erreichen. Georgina und ich erzählen einander Geschichten aus unserem Leben. Sie zeigt mir auf ihrem Handy Fotos ihrer 4-jährigen Tochter, die wirklich absolut bezaubernd aussieht.

Mittlerweile ist es recht sonnig. Es dauert eine Weile bis wir unser nächstes Ziel erreichen. Georgina und ich erzählen einander Geschichten aus unserem Leben. Sie zeigt mir auf ihrem Handy Fotos ihrer 4-jährigen Tochter, die wirklich absolut bezaubernd aussieht. Sowohl Georgina als auch ihr Ehemann sind Krankenpfleger und haben beide momentan einen Job. Sie erwägen trotzdem nach Botswana zu ziehen, falls sich die Situation in ihrem Land nicht verbessert.

Wir dösen schließlich beide während der sanft holpernden Fahrt in unserem "Cholera-Minivan" ein, die warme Sonne im Gesicht.

Bei der Ankunft in Dziva wachen wir rasch wieder auf, da bei unserem "Oral Rehydration Point" (ORP)  zwei dehydrierte Patientinnen auf die Überstellung ins Cholera-Behandlungszentrum warten. Eine Frau hat ihr einjähriges Baby bei sich. "Ist das Baby ebenfalls krank?" frage ich sie. Sie schüttelt schwach den Kopf, "Nein, aber ich stille und kann das Baby nirgends hingeben." Ein paar Tage später sollte ich diese Frau im Cholerazentrum wieder sehen mit ihrem nun ebenfalls an Cholera erkranktem Baby.

Die andere Frau ist im neunten Monat schwanger. Die behandelnde Krankenschwester im ORP erzählt Georgina, dass sich der Fötus laut der Patientin seit drei Tagen nicht mehr bewegt hat. Die beiden Krankenschwestern schütteln den Kopf. Es kommt häufig vor, dass schwangere Frauen, die an Cholera erkranken, ihre Babys verlieren.

Während sie sich um die Schreibarbeit kümmern, gehe ich rüber und spreche mit der Schwangeren. Sie hat bereits vier Kinder und hat alle vier zu Hause entbunden, obwohl sie nach der zweiten Geburt eine post-natale Blutung hatte. Ihr Ehemann unterstützt sie nicht; er hat keinen Job. Sie und fünf weitere Familien trinken alle Wasser aus einem seichten Brunnen. Sie haben kein Material, um das Wasser abzukochen. Die Frau vermutet, dass das der Auslöser für die Cholera ist.

Mit der Unterstützung der anderen Krankenschwestern begleitet Georgina die beiden Patientinnen in unseren "Cholera-Minivan" und wir bringen sie ins Cholera-Behandlungzentrum von Ärzte ohne Grenzen. Nachdem wir das CTC verlassen haben, wundert sich Georgina, die Teile meines Gesprächs mit der schwangeren Patientin mitgehört hat, darüber, dass diese Frau so viele Kinder hat. "Ein Kind ist so teuer", meint sie mit dem Gedanken an die Ausgaben für ihre eigene Tochter, "Wie können sie sich um so viele kümmern?"