Feldgruppe
20.02.09 Der mächtige Dollar

Die ganze letzte Nacht hat es geregnet, aber heute ist der Himmel Türkis mit lächelnd umherschweifenden Wolken. Ich begleite Georgina, eine Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen. Sie ist 32, hübsch mit ihren geflochtenen Haaren und ihrem offenen Lächeln, und sehr entschlossen.

Die ganze letzte Nacht hat es geregnet, aber heute ist der Himmel Türkis mit lächelnd umherschweifenden Wolken. Ich begleite Georgina, eine Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen. Sie ist 32, hübsch mit ihren geflochtenen Haaren und ihrem offenen Lächeln, und sehr entschlossen. Sie möchte eine der entlegensten so genannten „Oral Rehydration Points“ (ORPs) besuchen. (Anm.: Bei Cholera  ist der rasche und gezielte Ersatz des Wasser- und Mineralstoffverlustes entscheidend, da der krankmachende Prozess in dem extremen Flüssigkeitsverlust – auch Dehydratation genannt - besteht.) Das sind im Grunde kleine Cholerazentren, in denen Patienten behandelt werden. 17 solcher kleiner Zentren gibt es in Harare.

Auf dem Weg sind wir jetzt in einer Gegend angelangt, in der die Straße eher wie ein mit Matsch gesäumter Fluß aussieht. Unser Fahrer Tinashe schüttelt nur gutmütig seinen Kopf und leitet seinen zu einer Cholera-Ambulanz gewordenen Minivan durch den Matsch. Wir kommen durch und lächeln erleichtert. Wir schaukeln die dreckigen Straße entlang, durch Mais- und Sojaanpflanzungen. In Simbabwe ist Sommer, alles steht in saftigem Grün, die Luft ist frisch und warm, und ab und an regnet es.

„Hier ist unser ORP“, zeigt Georgina, und ich erkenne einen kleinen, mit Plastikplanen ausgekleideten Unterstand, in den zwei Frauen sitzen. Während wir ankommen, laufen sie aus uns zu und grüßen uns lächelnd.

Mary und Zodwa sind beide Ende fünfzig und leben bereits seit Jahrezehnten in Hathcliff Extension. Sie sind sehr froh, uns zu sehen. Sie tragen die Plastikschürzen, die wir ihnen gegeben haben, über ihrer hübschen Kleidung. Sie zeigen Georgina ihr Notebook, in dem sie sorgfältig eingetragen haben, wer in das kleine Zentrum gekommen ist, welche Symptome die Personen hatten, und wie viel des oral einzunehmenden Rehydrations-Salzes (ORS) sie verwalten. Keiner der Patienten musste heute in das Cholerabehandlungszentrum gebracht werden, um sich dort einer Intensivbehandlung zu unterziehen.

Mary und Zodwa arbeiten täglich von morgens um acht Uhr bis nachmittags um 17 Uhr in dieser kleinen Cholerastation. Sie führen mir stolz ihren Unterstand vor, zeigen, wo die Kübel mit der Desinfektionslösung zum Auswaschen der Becher und die ORS-Lösung sind und wo sie die Tornister aufbewahren. Der Stand von Ärzte ohne Grenzen steht mitten im matschig-roten Feld, dennoch sind die Plastikplanen auf dem Boden makellos, sauber und alles hier ist sehr ordentlich. Die Damen beschweren sich, dass sie gerne einen Wischmopp hätten – momentan machen sie jeden Zentimeter mit ihren Putzlappen auf Knien sauber. Anschließend erklären sie uns, wie sie vorgehen, wenn ein Patient kommt: welche Symptome sie checken, wie viele Stunden er unter Beobachtung bleibt und wie sie entscheiden, ob er ins große Cholerabehandlungszentrum gebracht werden muss.

Mary und Zodwa sind freiwillige Helferinnen. Ich bin erstaunt über ihre Hingabe und Sorgfalt, und kann ihr schwieriges Leben nur erahnen. Wie machen sie das nur, das beiseite zu lassen und ihren Mitbürgern zu helfen.

Wir unterhalten uns noch ein bisschen mit ihnen, über ihr Leben und ihre Probleme. Sie erzählen mir, dass das größte Problem der Menschen darin besteht, dass sie die Gebühren in Gesundheitszentren und Krankenhäusern nicht bezahlen können. Seit dem vergangenen Monat werden diese Gebühren im öffentlichen Gesundheitssystems in Simbabwe in US-Dollar erhoben.

„Die Menschen hier kennen US-Dollars gar nicht“, erklärt Mary mit Nachdruck, „haben sie noch nie gesehen, wissen nicht, wie sie aussehen“. „Also was machen die Leute?“, frage ich sie. Sie schüttelt ihren Kopf und sagt: „Sie sterben einfach“.

Sie erzählen mir die Geschichte einer Nachbarin aus der vergangenen Woche. Sie brachte ihr Kind Zuhause zu Welt, weil sie die 50 US-Dollar nicht aufbringen konnte, die als Gebühr genommen wird. Doch ihre Placenta löste sich einfach nicht ab und nach drei Tagen starb sie.

„Wenn sie wenigstens einige Hebammen ausbilden würden“, sagt Mary. Sie erklärt, dass diejenigen, die es gibt, nicht wirklich wüssten, was sie tun. Simbabwe hatte früher ein gutes Gesundheitssystem, in dem jeder Zugang zur Gesundheitsversorgung hatte, so dass es eigentlich keine lokale Versorgung durch Hebammen mehr gab.

Wir danken den beiden Damen voller Respekt, und ich springe zurück in den Minivan.