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14.11.07 Die Arbeit kostet mehr Kraft als am Anfang

Liebe Freunde,

Liebe Freunde,

ich werde müder und die Arbeit kostet mehr Kraft als am Anfang. Zugleich wird mir klarer, wie schwer es ist, das zuzugeben, erst recht in einem Projekt, in dem viele andere schon länger sind und mehr ausgehalten haben. Die Standardantwort auf how are you ist fine, ob es nun stimmt oder nicht. Meine zwei Monate sind zu kurz um auszubrennen, in drei Wochen bin ich wahrscheinlich schon in Berlin. Aber ich verstehe den Mechanismus des burnout jetzt besser: wir sehen uns als die tapferen Streiter für Humanität in einer Gegend, wo sich sonst kaum einer hintraut und wir werden auch so gesehen. Täglich hören wir, wie wichtig und geschätzt wir seien. Das tut dem Ego gut, aber gerade das ist die Falle: wer bringt unter diesen Umständen den Satz ich kann nicht mehr über die Lippen? Es wäre, als gäbe man eine Niederlage zu: selbst für mich, obwohl ich es theoretisch besser weiß und anders vertrete, würde es sich so anfühlen. Ich denke, die einzige Lösung - zum Teil geschieht das auch - besteht darin, nicht zu warten, bis jemand von selbst Überlastung anzeigt, sondern den Mitarbeitern in bestimmten Abständen Pausen zu verordnen.

Letzte Woche haben wir unser Transportfahrzeug (Pickup) zur Reparatur nach Nairobi geschickt. Da unser gesamtes Wasser in Fässern vom Fluss hochgeschafft wird, mussten wir uns nach einer anderen Transportmöglichkeit umsehen: wir haben einen Esel gemietet. Das arme Tier schafft pro Strecke 80 Liter auf seinem Rücken heran; für fünfzehn verdreckte und durstige Mitarbeiter muss es diesen Weg einige Mal pro Tag zurücklegen. Warmes Wasser gibt es übrigens nur, wenn man es auf einer der drei Gasflammen in der Küche erhitzt, die natürlich auch zum Kochen gebraucht werden und zwar gerade dann, wenn die müden Streiter von ihren Einsatzorten zurückkehren. Man steht Schlange für warmes Wasser. Warten gehört überhaupt nicht zu meinen Stärken, und hier wartet man ständig: auf Klienten, auf Rückrufe, auf die Erlaubnis, bestimmte Orte aufzusuchen, auf irgendwelche Leute, mit denen man verabredet ist… Ich dusche jetzt kalt.

Viele Grüße
Markus