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10.03.09 Suche nach Maria

Erinnert ihr euch an die schwangere Frau, die ich dort getroffen habe, wo Ärzte ohne Grenzen orale Rehydrierungsmittel verteilt? Eineinhalb Wochen später habe ich nach ihr gesucht, um herauszufinden, was aus ihr und ihrem Baby geworden ist.

Erinnert ihr euch an die schwangere Frau, die ich dort getroffen habe, wo Ärzte ohne Grenzen orale Rehydrierungsmittel verteilt? Eineinhalb Wochen später habe ich nach ihr gesucht, um herauszufinden, was aus ihr und ihrem Baby geworden ist.

"Hey Heidi!" Es ist jedes Mal großartig, Heidi zu treffen. Heidi ist Krankenschwester bei Ärzte ohne Grenzen und arbeitet im Cholerazentrum in Harare. Mit ihren blonden Haaren und blauen Augen sieht sie nicht nur aus wie ein Engel, sie hat auch den dazugehörigen Charakter. Sie ist nie zu müde, zu gestresst oder zu beschäftigt, um sich um die Patienten zu kümmern.

Ich habe Heidi einige Tage nicht gesehen und habe Angst, herauszufinden, was mit Maria passiert ist, eine im neunten Monat schwangere Cholera-Patientin, die ich vor eineinhalb Wochen getroffen habe.

Das erste Mal war ich Maria begegnet, als ich den Bus, der die Cholera-Patienten transportiert, auf seiner Tour begleitet habe. Sie war ganz still, als wir uns ihr näherten. Sie lag in einem Cholera-Bett in einer der Rehydrierungsstellen, die Ärzte ohne Grenzen in den sich weit ausstreckenden Townships von Harare errichtet hat. Wir haben sie dann umgehend in die Budiriro Klinik gebracht, wo Ärzte ohne Grenzen ein Cholera-Behandlungszentrum eingerichtet hat. Heidi hat ihr gleich zwei intravenöse Zufuhren gelegt.

Ich habe Maria dann gefragt, ob sie Geld für die Schwangerschaftsvorsorge in einer der Kliniken hat, die in ihrer Nähe ist. Sie hat mich angeguckt wie im Wahn - wo soll sie die $50 hernehmen, die heutzutage in den Simbabwischen Kliniken als Gebühr für werdende Mütter berechnet werden?

Als ich Heidi dann gefragt habe, was aus Maria geworden ist, schüttelte sie nur traurig den Kopf. "Ich habe gebetet, dass sie das Baby kriegt während sie in der Budiriro Klinik war, aber es kam nicht. Nachdem sie die Cholera überstanden hatte, habe ich den Simbabwischen Arzt angefleht, sie doch noch zwei Tage länger dazubehalten. Aber danach hat er sie dann entlassen. Ich konnte nichts dagegen tun," sagt sie seufzend und wir haben uns tief einatmend angeschaut.

Wenn Patienten erst einmal von der Cholera geheilt sind, werden sie sofort entlassen, egal ob sie noch etwas anderes haben. Unglücklicherweise haben diese Patienten meistens keinen Ort, wo sie hingehen können und kein Geld, um sich andere Hilfe leisten zu können.

"Ich werde Maria finden," beschließe ich und Heidis Augen beginnen zu leuchten. Wir sind uns beide einig, dass es wunderbar wäre zu wissen, was mit ihr passiert ist. Heidi warnt mich aber, nicht zu optimistisch zu sein.

Ich kümmere mich um den Transport und nehme Liliosa mit, eine der Simbabwischen Pflegerinnen, die für Ärzte ohne Grenzen arbeitet. Sie ist selber hochschwanger, aber extrem aktiv und als ich ihr den Zweck unserer Fahrt erkläre, ist sie genauso enthusiastisch wie ich und will Maria finden.

Wir fahren durch die Nachbarschaft von Kwadzana. Wie in fast allen Townships von Harare erstaunt mich auch hier der Kontrast zwischen den kleinen, schönen Häusern mit ihren liebevoll gepflegten Gärten und Zäunen und den offenen Abflussgräben in den Straßen. Es ist sonnig und viele Menschen sind auf der Straße, was bei der Arbeitslosenquote nicht verwunderlich ist. Es gibt viele Friseurläden, meist einfach ein Stuhl, ein Spiegel und Schilder wie "New Beginnings Hair Saloon" oder "Golden Hair Barber".

Wir suchen nur nach einer Nummer. So funktioniert das hier, es gibt keine Straßennahmen, die Häuser sind schlichtweg nummeriert, manchmal einer Logik folgend, manchmal nicht. Eine Frau gibt uns den Hinweis, dass wir da wenden müssen, wo "normalerweise" eine Telefonzelle steht - Liliosa lacht, ein weiteres Merkmal für die sich immer weiter verschlimmernden Situation Simbabwes.