Feldgruppe
08.11.07 Psychosen sehen sich überall auf der Welt ziemlich ähnlich

Liebe Freunde,

Liebe Freunde,

Wir sind auf der Fahrt nach Kakamega, wo sich von hier aus die nächste Psychiatrie befindet. Im Provinzkrankenhaus werden wir von den beiden Psychiatern, die dort arbeiten, höflich distanziert empfangen: man zeigt uns die einzige Station. Kaum habe ich sie betreten, kommt eine junge Frau im grünen Anstaltskittel auf mich zu, gibt mir die Hand und spricht mich an: I know exactly who you are - you are the son of George Bush! Wenig später taucht ein Mann mit einer Bibel auf, der seit seiner Jugend zum Propheten berufen ist. Psychosen (schwere Störungen mit gestörtem Realitätsbezug), stelle ich wieder einmal fest, sehen sich überall auf der Welt ziemlich ähnlich; die Bedingungen, unter denen die Betroffenen behandelt werden, allerdings nicht. Hier sind Frauen und Männer in zwei Flügeln getrennt untergebracht, es gibt jeweils zwei enge dunkle Schlafkammern, in denen die Betten nicht reichen, so dass einige Patienten auf Matratzen auf dem Fußboden schlafen müssen. Wir treffen einen Beschäftigungstherapeuten, der kaum Material zur Verfügung hat. Auf dem Damebrett liegen Kronkorken als Steine. Man bemüht sich, scheint es, kann aber mit minimalen Ressourcen nicht viel ausrichten. Psychopharmaka gibt es nur die allerältesten (in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelten) und selbst diese nicht immer. In diese Klinik, stelle ich fest, würde ich trotz wohlmeinendem Personal nicht gerne jemanden überweisen; Elvis und Nancy, meine Begleiter bei diesem Besuch, teilen diese Einschätzung.

Viele Grüße,
Markus