Feldgruppe
07.11.07, Ein bedeutsam schweigender Mzungu

Liebe Freunde,

Liebe Freunde,

Eine Klinik im Zentrum der Unruhen, wo wir bisher fast täglich präsent waren, ist bis auf weiteres nicht zugänglich. Deshalb gibt es eine Besprechung im Krankenhaus, wohin wir unsere Aktivitäten verlagern können. Zusammen mit dem Klinikdirektor und dem Pflegedienstleiter schauen wir uns eine Ambulanz an, die von den Mitarbeitern vor vier Wochen aufgegeben wurde, nachdem der Chief - so eine Art Dorfbürgermeister - im Nachbargebäude erschossen worden war. Seither ist es in diesem Ort, allerdings ruhig geblieben.
Wir haben beschlossen, die Ambulanz im Ort wieder in Betrieb zu nehmen. Unterwegs die übliche road show: ein Esel quält sich mit zwei Fünfzig-Kilo-Säcken den steilen Hügel empor und wird von seinem Besitzer mit Stockschlägen angetrieben. Schließlich geht er in die Knie und weigert sich, wieder aufzustehen. Wir kommen an einem Fluss vorbei, in dem zahlreiche Kenianer ihren verschlammten Fahrräder waschen, wir überfahren beinhahe ein suizidales Huhn und der Projektleiter kauft am Straßenrand für ein paar Cent einen Arm voll daumenkleiner, intensiv schmeckender Bananen.
In der Klinik hat sich unser Kommen noch nicht herumgesprochen, nur wenige Patienten tauchen auf. Elvis und ich beschließen, ein bisschen Werbung zu machen: wir gehen durch den Ort und palavern mit den Leuten, wobei meine Aufgabe darin besteht, den bedeutsam schweigenden Mzungu darzustellen, während Elvis die eigentliche Arbeit macht und den Menschen erklärt, wer wir sind und was wir anbieten.

Viele Grüße,
Markus