Feldgruppe
02.11.07, Am Abend gibt es eine lange Diskussion

Liebe Freunde,

Liebe Freunde,

Bewerbungsgespräche im dekompensierenden Mobilfunknetz gehören nicht zu den Höhepunkten, die das Leben zu bieten hat. Es gibt eine Stelle in einem anderen Projekt in Kenia - unter der Regie der französischen Abteilung von Ärzte ohne Grenzen - die vielleicht nächstes Jahr für mich in Frage käme. Ich hatte Interesse bekundet und wurde deshalb gerade vom Landesleiter der Franzosen angerufen, während über den Gipfeln ein Gewitter aufzog, in dessen Fronten seine Stimme immer wieder hängenblieb. Ob ich auf seine Fragen geantwortet habe oder auf meine Interpretation des akustisch kaum Verständlichen, bleibt unklar. Zudem fällt es mir jedesmal wieder schwer, mich anzupreisen wie die jetzt noch strahlendere Zähne versprechende Paste XY. Wie auch immer, ich habe die tröstliche Ideologie, dass es, wenn es für mich passt, klappen wird; wenn nicht, ist dies das Zeichen (fragt nicht, wessen Zeichen), dass ich besser etwas anderes versuche.

Unser eigener Landesleiter (der belgischen Abteilung von Ärzte ohne Grenzen) ist wieder vor Ort und am Abend gibt es eine lange Diskussion. Hauptsächlich geht es darum, wie wir angesichts zunehmender Gewalt und Flüchtlingsströme unsere Strategie anpassen sollen, aber am Ende kommt auch das Thema "Tagessatz" auf den Tisch. Die Mitarbeiter bekommen zusätzlich zum Gehalt einen Tagessatz, der für Essen und Hygieneartikel gedacht ist; bisher wurde nur ein Bruchteil davon tatsächlich für unser Essen ausgegeben: Reis mit Bohnen, zur Abwechslung auch mal Bohnen mit Reis (ich übertreibe ein bisschen). Ab sofort wird der für Ernährung zu verwendende Anteil verdreifacht. Genau an diesem Punkt fühle ich deutlicher denn je, dass ich eben doch nicht dazu gehöre und meine Interessen andere sind: während ich denke, endlich, in einem solchen Projekt (Gefahr, Ausgangssperre etc.) sollte man sich nicht auch noch maximale Kargheit verordnen, herrscht unter den Kenyanern schockiertes Schweigen. Viele haben eine Familie zu versorgen oder sparen für irgendwas (Reise, Computer); man ist sich einig, keinen Cent mehr auszugeben, als zum Überleben nötig. Essen soll sättigen, mehr wird nicht verlangt.

Viele Gruesse
Markus