Feldgruppe
01.03.09 Beerdigung

Chiwardizo Klinik in Bindura (rund 88 Kilometer nordöstlich von Harare): Während Teams von Ärzte ohne Grenzen in der Klinik ihr Cholera-Behandlungszentrum überprüften, stelle sich heraus, dass es dort am 22.

Chiwardizo Klinik in Bindura (rund 88 Kilometer nordöstlich von Harare): Während Teams von Ärzte ohne Grenzen in der Klinik ihr Cholera-Behandlungszentrum überprüften, stelle sich heraus, dass es dort am 22. Februar 2009 eine neue Spitze in der Zahl der Neuzugänge gegeben hatte: 65 Patienten waren an dem Tag aufgenommen worden und die Zahl wächst rasch weiter an. Ich fuhr bald darauf für einige Tage nach Chiwardizo.

47264

Der Innenhof der Klinik in der nordöstlichen Stadt Bindura ist voller Cholerapatienten aus einer Gemeinde namens Kingston Farm. Die lokalen Gesundheitsbehörden planen, dorthin zu fahren und ich frage sie, ob ich mitfahren kann: "Kein Problem, wir kommen gleich, um dich abzuholen."

Sie steigen dann in einen weißen Pick-Up Truck und fahren los. Mich lassen sie im Innenhof stehen und ich frage mich, ob sie zurückkommen werden oder mich einfach sitzen lassen. Es ist Mittagszeit und entsetzlich heiß. Mir wird klar, dass sie Essen gegangen sind. Ich begleite Nick, unseren Wasser- und Sanitärexperten. Im hinteren Teil unseres Wagens sind wir zumindest vor der blendenden Sonne geschützt.
Wir knabbern ein bisschen Snacks, unterhalten und trinken warmes, mit Chlor behandeltes Wasser aus unserem Behälter. Ein Mitglied unseres Notfallteams, die für Umweltfragen zuständig ist, kommt herüber, um etwas zu trinken zu holen. Ich frage sie, wie es im Camp ist. "Es ist zu heiß!", beschwert sie sich und sagt dazu, dass dort auch ordentlich saubergemacht und desinfiziert werden muss.

Gerade als ich denke, dass die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde mich nicht mehr abholen werden, kommen sie und stellen ihren Pick-Up vor den Eingang des Camps. "Was denkst du, was sie machen?" frage ich Nick, während wir um die Ecke unserer offenen Hecktür linsen. "Ich weiß nicht, ich nehme an, dass sie Vorräte aufladen." Ich steige aus unserem Auto und laufen  zu ihnen rüber, während ich meine Augen abdunkle. Dann sehe ich, dass sie etwas Längliches, in schwarze Plastikplanen Verpacktes tragen. Ich brauche einen Augenblick bis ich realisiere, dass es sich dabei um eine Leiche handelt. Jemand, der neben mir steht, sagt, dass es eine Schande sei, dass sie den Körper den ganzen Tag lang in der Hitze des Zelts haben liegen lassen.

Die einheimischen Männer verstauen den Körper im hinteren Teil des Trucks und winken mich zu sich. Ich fühle mich eher mulmig dabei, in das Auto zu steigen, in dessen hinterem Teil die Leiche liegt. Aber wir steigen alle ein und fahren los. Wir sind zu dritt im hinteren Teil zusammengedrängt und der Mann im dunklen olivfarbenen Arbeitsanzug neben mir dünstet heftigen Chlordunst aus. Um mich herum stellen sich die Leute einander vor, und ich realisiere, dass mein unmittelbarer Nachbar der Bestatter ist. Ich rolle das Fenster noch weiter runter.

Wir fahren aufs Land raus. Da es die heiße Regenzeit ist, ist alles grün und satt. Ich habe noch nie so hohes Gras gesehen - es kommt vor, dass es doppelt so hoch ist wie unser Auto - und es fühlt sich so an, als würden wir durchschwimmen.

Wir halten im Dorf der Verstorbenen: Runde ockergelbe Lehmhütten mit kegelförmigen Stohdächern umgeben von Soyafeldern. Ich finde heraus, dass die Verstorbene eine alte Dame ist, die keine Verwandten hat, die sich um ihre Beerdigung kümmern würden. Während wir wieder durch hohes Gras "tauchen" denke ich an ihr Leben, das nun vorbei ist. Ich frage mich, wer sie war, was ihre Sorgen und Freuden waren. Wie viele Leben hat dieses Bakterium bereits genommen, das dieses schöne Land geißelt?

Einer der jungen Männer, die vorher auf unseren Wagen gesprungen sind, um mit der Beerdigung zu helfen, schlägt an die Seite des Trucks, um uns ein "Stop" zu signalisieren. Ich frage mich, ob etwas heruntergefallen ist, bemerke dann aber, dass da ein kleiner Weg durch Bäume und Gras führt. Ich laufe mit, und sehe eine Lichtung mit orangenen Blumen, die sich unterhalb davon ausbreiten. Es ist sehr friedlich. Ein schöner Ort für die letzte Ruhe.