Feldgruppe
01.03.03 Kingston Farm

Wir verlassen das Beerdigungs- und Desinfektionsteam, damit sie ihrer Arbeit nachkommen können und wir Vier haben uns zur Kingston Farm aufgemacht.

Wir verlassen das Beerdigungs- und Desinfektionsteam, damit sie ihrer Arbeit nachkommen können und wir Vier haben uns zur Kingston Farm aufgemacht. Ich stelle fest, dass es eigentlich kein privater Hof mehr ist, sondern von einer Gemeinschaft übernommen wurde, wo sich jeder um seine oder ihre Ernte kümmert.

Wir finden die Siedlung, unser Fahrer hält an einem Eingang und hupt. Sofort versammeln sich Frauen, Kinder und Männer um das Auto. Die Gesundheitserzieher erklären den Gebrauch von Wassertabletten, Chlorreinigungstabletten, um das verschmutzte Wasser zu desinfizieren und betonen, wie wichtig es ist, sich regelmäßig die Hände zu waschen und das Geschirr zu reinigen.

Es gibt einen großen, jungen Mann, der als Vorsitzender agiert (der ältere Vorsitzende ist mit Cholera im Cholerabehandlungszentrum). Er ist groß, attraktiv und hat ausgeprägte Charaktereigenschaften. Da in der Gemeinde niemand ein Auto besitzt, ist es seine Aufgabe, die kranken Cholerapatienten mit seinem Karren zum Cholerabehandlungszentrum zu fahren. Wir haben mit dem Auto schon 40 Minuten gebraucht, um hierher zu kommen, nicht auszudenken, wie lange es dauert, jemanden die ganze Zeit vor sich herzuschieben.
Der junge, attraktive Vorsitzende ist verärgert. Er ruft der ganzen Gemeinde etwas zu. Ich frage unseren Fahrer, was er sagt. "Er ruft den Frauen zu, dass sie die dreckigen Kleider nicht an demselben Platz waschen können, wo die Gemeinde das Trinkwasser herbekommt", erklärt unser Fahrer. "Er sagt ihnen, dass er es leid ist, ständig Menschen in die Klinik bringen zu müssen." Ich finde heraus, dass es 85 Haushalte in der Gemeinde gibt. In den letzten zwei Wochen sind 77 Cholerafälle von diesem Hof in der Klinik eingeliefert worden.

Die Gesundheitsaufklärer verteilen 30 Wassertabletten pro Haushalt und orales Rehydrationssalz. Sie erklären, wie man die Tabletten anwendet und dass das Salz einfach in Wasser aufgelöst eine einfache aber sehr effektive Methode ist, um Menschen mit Durchfall zu heilen.

Die Männer des Dorfes zeigen uns ihre Wasserquelle. Wir laufen zehn Minuten über Felder mit Kürbissen, Erdnüssen, Soja und Mais. Die Gemeindemitglieder plaudern aufgeregt mit den Amtsärzten vor mir, während ich von einem extrem freundlichen und besorgten jungen Mann begleitet werde, der etwas über mein Heimatland wissen möchte und wie lange ich schon hier bin.

Nach zehn Minuten erreichen wir die Wasserquelle. Es ist ein kleiner Fluss. Die Strömung ist langsam and träge, an manchen Stellen steht das Wasser ganz still. Sie zeigen uns ein einen halben Meter tiefes Loch, dass sie neben dem Fluss gegraben haben und welches mit abgestandenem Wasser gefüllt ist. Dies dient als Trinkwasser. Die Gesundheitsaufklärer sind entsetzt. Sie erklären, dass sie das Loch zuschütten müssen und es schnellstmöglich vergessen sollen.

Als wir die Gemeinde zurückgelassen haben, ist das Team im Auto über die getane Arbeit begeistert and zufrieden. Sie erklären mir, dass es in dieser Gemeinde keine Patienten mehr geben wird. Dass es keinen Grund gibt, das Klinikgebäude zu übernehmen und ein angemessenes Cholerabehandlungszentrum einzurichten. Sie sagen auch, dass sie es nicht verstehen, warum die Menschen aus der Cholerakrise solch ein Drama machen, sie haben doch alles unter Kontrolle.

Am nächsten Tag kamen dennoch sieben neue Fälle von der Kingston Farm.