Feldgruppe
Kraft für alles, was kommt...

Jetzt bin ich schon sieben Wochen vor Ort – wie die Zeit vergeht! Nachdem ich bei meinem ersten Einsatz in einem Vertriebenenlager in Bentiu im Südsudan arbeitete, hat es mich dieses Mal nach Sierra Leone in den Bezirk Tonkolili geführt.

Jetzt bin ich schon sieben Wochen vor Ort – wie die Zeit vergeht! Nachdem ich bei meinem ersten Einsatz in einem Vertriebenenlager in Bentiu im Südsudan arbeitete, hat es mich dieses Mal nach Sierra Leone in den Bezirk Tonkolili geführt. Ärzte ohne Grenzen unterstützt dort seit Januar 2016 die Geburtshilfe und die Kinderabteilung das staatlichen Krankenhauses in Magburaka.

Zunächst arbeitete ich direkt im Krankenhaus in der Kinderklinik. Täglich behandeln wir hier viele Kinder z. B. mit schwerer Form von Malaria, Durchfallerkrankungen, Lungenentzündungen und Verbrennungen. Durch die Ebola-Epidemie ist das Gesundheitssystem immer noch stark geschwächt. Ca. 200 einheimische Ärzte, Pflegekräfte und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen sind an Ebola gestorben. Ärzte ohne Grenzen hilft nun, Lücken zu schließen, mit unseren Projekten. Doch es ist nicht einfach und immer wieder verlieren wir auch manche unserer kleinen Patienten, wenn sie erst spät ins Krankenhaus kommen, denn die Wege zu den funktionierenden Kliniken sind weit. Die Sterblichkeitsraten von Müttern, Neugeborenen und Kindern unter fünf Jahren in Sierra Leone sind leider hoch. Wenn wir Kinder verlieren, sind das für mich die schwierigsten Momente.

Das bin ich auf unserer Station für mangelernährte Kinder. © MSF

Das bin ich auf unserer Station für mangelernährte Kinder. © MSF

Und andererseits bereitet mir die Arbeit mit den Kleinen viel Freude. Wenn ein Kind nach einem langen Kampf gegen Malaria wieder zu Lächeln beginnt, die Mutter mich strahlend im Krankenhausflur mit Namen begrüßt, weiß ich wieder, dass meine Arbeit wichtig ist. Dass ich genau hier sein möchte und nirgendwo anders.

Mariatzu war meine erste kleine Patientin, die ich in Sierra Leone betreute. Das Baby wurde unter der Geburt mit Tetanus infiziert. Die Mutter brachte sie auf der Straße zur Welt. Ohne sauberes Wasser, nur mit Hilfe der Großmutter wurde das Kind geboren und schließlich auf unsere Neugeborenen-Station gebracht.

Mariatzu musste abgeschirmt werden von Licht, Lärm und jeglicher Form von Aufregung. Jede Erschütterung oder Berührung bedeutete große Aufregung für das kleine Baby. Krämpfe und Atemprobleme begleiteten sie über Wochen. Immer wieder mussten wir sie zwischendurch mit dem Ambubeutel beatmen, um sie am Leben zu halten. Es gibt hier keine maschinellen Beatmungsmöglichkeiten. Es stand teilweise sehr kritisch um sie. Wir mussten Mariatzu mit einer Magensonde ernähren, und wir gaben ihr Medikamente gegen weitere Infektionen und die Krampfanfälle. Dann hieß es letztlich viel Geduld aufzubringen ...

Das ist die kleine Mariatzu. © MSF

Das ist die kleine Mariatzu. © MSF

Mariatzu, mein kleines Wunder, hat Kampfgeist bewiesen. Und wir konnten sie nach Wochen gesund entlassen. Mariatzu trinkt jetzt selbstständig an der Brust und teilt sich lautstark mit, wenn sie etwas braucht. Ich habe mich vor allem für ihre Mutter gefreut, die keine Minute von Mariatzus Seite gewichen ist. Ihre Entlassung war einer dieser magischen Momente, die einem Kraft geben, für alles was kommt.

Meine Zeit im Krankenhaus ist nun vorüber und ich widme mich einer neuen Aufgabe: Zusammen mit einer Hebamme werden mein Team und ich in der kleinen Stadt Mile 91 in der Region Yoni das staatliche Gesundheitszentrum unterstützen, das sich um Mutter-Kind-Gesundheit einschließlich Geburtshilfe und Neugeborenenbehandlungen kümmert.

Umgeben von 28 weiteren kleinen Gesundheitsposten haben wir einen großen Bereich abzudecken. Meine Hauptaufgaben liegt darin, frühe Therapien von Krankheiten bei Kindern unter fünf Jahren einzuleiten. So wollen wir erreichen, dass nicht so viele Kinder schwer erkrankt ins Krankenhaus in Magburaka eingewiesen werden müssen. Wir werden Schulungen abhalten, mit dem Team die Strukturen verbessern und die Abläufe optimieren. Davon bald mehr …