Feldgruppe
Andere Vergabe-Praxis gewohnt

Injektionen, Infusionen, in die Vene oder in einen Muskel. Hauptsache zustechen.

Injektionen, Infusionen, in die Vene oder in einen Muskel. Hauptsache zustechen. Müsste ich in Deutschland bei jeder Streptokokken-Angina den Eltern erklären, dass es das Penicillin jetzt nicht für zehn Tage täglich als Saft gibt, sondern als Spritze in den Muskel - ich würde durchweg in entgeisterte Gesichter blicken.

Die Menschen in Tadschikistan sind anders. Ärzte und Patienten sind davon überzeugt, dass ein Antibiotikum per Injektion verabreicht wesentlich besser wirkt als eine Tablette oder gar ein Saft. Ich habe das eindeutig als Ausnahme gelernt, erst recht im ambulanten Bereich.

Zwischen Wut und Verzweiflung

Bei uns zuhause in Deutschland gilt die Devise: Wir machen nur das absolut notwendige, jeder Eingriff und jedes Medikament muss einen konkreten Nutzen haben. Hier hingegen bekommt fast jeder Patient, dem es etwas schlechter geht, verschiedenste Präparate: um das Herz zu stärken, die Leber zu entgiften oder das Immunsystem zu unterstützen. Von den meisten dieser Mittel habe ich noch nie gehört.

Dabei müssen die Patienten ihre Medikamente selbst bezahlen. Nur die Behandlung der Tuberkulose ist kostenlos. Alles andere, was die Ärzte hier empfehlen, muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Regelmäßig
schwanke ich dann zwischen Wut und Verzweiflung, wenn ich sehe, zu was das führen kann: Das mangelernährte
Kind im Krankenbett bekommt nicht genug zu essen, aber auf dem Nachttisch stapelt sich besagtes Sammelsurium an sehr oft äußerst fragwürdigen Präparaten. Es ist für mich nicht leicht, sie von einem zurückhaltenderen Einsatz der Medikamente zu überzeugen.

Die Medikamente auf dem Nachttisch @ Christoph Höhn

Die Medikamente auf dem Nachttisch @ Christoph Höhn