Feldgruppe
Halbzeit in Minsk

Kinder wie die Zeit vergeht! Es wird Frühling, Minsk erwacht. Die Stadt zeigt ihre ganze Schönheit. Über sechs Monate bin ich nun im Projekt und kann es kaum fassen, dass schon so viel Zeit vergangen ist. Manchmal denke ich, es hätte noch viel mehr erreicht werden können.

Kinder wie die Zeit vergeht! Es wird Frühling, Minsk erwacht. Die Stadt zeigt ihre ganze Schönheit. Über sechs Monate bin ich nun im Projekt und kann es kaum fassen, dass schon so viel Zeit vergangen ist. Manchmal denke ich, es hätte noch viel mehr erreicht werden können. Doch wenn ich dann wieder darauf schaue, was wir inzwischen alles bewegt haben, bin ich beeindruckt von unseren Entwicklungen.

Was passiert eigentlich in sechs Monaten Projekt in einem Land, dessen Kultur und Sprache mir fremd waren, in dem man sich unvermittelt in einem Team von neuen Gesichtern findet und seinen Weg finden muss?

Zunächst einmal habe ich meine Muttersprache wider Erwarten nicht verlernt, aber auch nicht wirklich viel Russisch gelernt. Sowohl den Arbeitsaufwand im Projekt als auch die Komplexität der Sprache habe ich unterschätzt. Nun, ich kann immerhin eine Tasse Kaffee bestellen, im Supermarkt bezahlen und ein paar freundliche Worte austauschen. Wer hätte gedacht, dass ich mein Französisch aufpoliere? Wir haben eine belarussische Kollegin, deren Französisch exzellent ist und der es so leichter fällt zu kommunizieren, als in unserer Projektsprache Englisch. Da gibt es witzige Situationen, wie zum Beispiel die, dass wir in der Russischen Botschaft bei Beantragung eines Transitvisums bei den Mitarbeitern für Verwirrung sorgten, weil eine Belarussin mit einem Deutschen Französisch kommuniziert, um eine Reise nach Italien zu erklären.

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Mir sind vor allen Dingen meine lieben Kolleginnen und Kollegen ans Herz gewachsen. Wir diskutieren viel, haben oft unterschiedliche Meinungen, doch vor allen Dingen Freude an der Arbeit. Wir verbringen Zeit zusammen. Mit nur fünf internationalen Kollegen ist natürlich der Austausch mit den nationalen Kollegen sehr intensiv und man tauscht sich nicht nur über die Arbeit aus. Von den meisten der Mitarbeiter kenne ich ihren privaten Hintergrund und bin der Kultur und Lebensweise, den Wünschen und Zielen der Menschen nähergekommen. Ich hätte es kaum für möglich gehalten, doch nach nur 10 Tagen Urlaub in Deutschland vermisse ich sie schon. So bin ich zu der Definition übergegangen, Minsk als zu Hause und Deutschland als zu Hause Hause zu bezeichnen.

Mir dämmert so langsam, dass die Rückkehr in den deutschen Alltag und mein altes Lebensumfeld wahrscheinlich eine größere Herausforderung werden als die Eingewöhnung ins Projekt vor über sechs Monaten.

Aufgrund der Projektstruktur und der Aufgabenstellung habe ich viel mit dem Team und nur vergleichsweise wenig Zeit mit Patienten verbracht, wenngleich ich viel Zeit auf den Tuberkulosestationen der Klinik war. Ich habe viele wunderbare Ärzte und Schwestern kennengelernt. Wir haben gestritten wie die Kesselflicker und Tränen gelacht. Ich bin dankbar, dass ich mit diesen durchweg großherzigen und liebenswerten Menschen noch einmal ein halbes Jahr verbringen darf und doch beschleicht mich hier und da schon einmal kurz vorzeitige Wehmut. Wenn das passiert, dann laufe ich munter pfeifend durch unser Buero oder die Klinikflure und warte darauf, dass mich jemand knufft und bittet, das sofort sein zu lassen. Denn in Belarus sagt man, dass Menschen, die in geschlossenen Raumen pfeifen, in finanzielle Not geraten und ihren Wohlstand verlieren. Eine weitere, dieser wunderbaren Eigenheiten, die ich so sehr lieben gelernt habe wie sauber geputzte Schuhe (Menschen mit schmutzigen Schuhen sind nicht vertrauenswürdig), Draniki (garantiert nicht fettarm) und Zephyr (zuckersüß).